1. – 6. Schuljahr

Die Schülerinnen und Schüler singen nicht gern!?

Irgendwie ist die Luft raus. Die Schülerinnen und Schüler sind nicht motiviert beim Singen dabei. Sie singen leise, bewegen kaum die Lippen, brummeln oder werden albern und stören dadurch die anderen Kinder. Was ist passiert? In der neuen Rubrik „Aus der Praxis bieten wir Ideen und Lösungsansätze zu Unterrichtsproblemen und -störungen im Musikunterricht. Dazu antworten drei Musikpädagogen. Welche Anregungen nehmen Sie mit in den Unterricht?

Georg Biegholdt
„Meine Schülerinnen und Schüler singen nicht gern den Satz habe ich so noch nicht gehört, wohl aber, dass mal einzelne Kinder weniger gern als andere singen. Meine These ist: Mit den richtigen Liedern kriegt man auch die. Das scheint mir angesichts des menschlichen Grundbedürfnisses der entscheidende Punkt zu sein: Die Lieder im Musikunterricht müssen attraktiv für die Kinder sein: witzig oder eingängig oder interessant in musikalischer und textlicher Hinsicht. Die wenigen Male, dass ich gespürt habe, dass ein von mir vorgeschlagenes Lied von der Mehrheit einer Klasse nicht gemocht wird, habe ich dieses sofort fallenlassen. Wenn ich es dann mit diesem Lied in einer anderen Klasse probiert habe, habe ich versucht, besser zu verdeutlichen, warum ich dieses Lied gern mit ihr singen würde. Manchmal hats dann geklappt. Auf keinen Fall sollte man etwas singen lassen, was die Kinder nicht mögen. Sonst heißts am Ende wirklich: „Meine Schüler singen nicht gern.
Birgit Jeschonneck
Wenn Schüler nicht gern singen, liegt es ja oft an der Liedauswahl oder auch daran, dass der Klassengesang nicht gut begleitet wird, z.B. wenn die Lehrerin kein Instrument spielt oder nicht gern vorsingt. Da kann schon der Einsatz eines guten Playbacks wirklich sehr motivieren. Die Ursachen sind allerdings an den Wurzeln zu packen: Wenn Kinder im Grundschulalter nicht gerne singen, liegt es oft auch daran, dass es einen „Bruch zwischen dem unbefangenen Singen der Kindergartenzeit und dem Musikunterricht gegeben hat. Aufgrund des Fachlehrermangels wird Musikunterricht in den ersten zwei Schuljahren häufig vom Klassenlehrer übernommen, was großartig ist, wenn dieser gern und oft singt. Wenn es nun aber kein sangesfroher Mensch oder ein unsicherer Sänger ist oder ständig zu tief singt, überträgt sich dies leider schnell auf die Kinder. Sie verlieren die Unbefangenheit, mit ihrer Stimme umzugehen. Es fällt ihnen immer schwerer, die eigene Stimme als schön zu akzeptieren auch wenn sie anders klingt, als das, was man in den Medien hört. Die Kinder verlieren das positive Vorbild und ihre eigene Unbefangenheit gleichzeitig. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass Kinder, die ab dem ersten Schultag täglich singen, die gewöhnt sind, auch allein oder mit dem besten Freund vor den Mitschülern vorzusingen, die hier niemals ausgelacht wurden, die ein großes Liedrepertoire im Anfangsunterricht gelernt haben und ein angemessenes Liedangebot im vierten Schuljahr erhalten, gern singen. Und was auch für das tägliche Singen spricht: Erst die Textsicherheit ermöglicht Teilhabe am Singen!
Anja Cohrs
Immer wenn mir diese Frage gestellt wird, ist stets mein erster Impuls: Singen Sie auch die Lieder, die Ihnen selbst Freude bereiten, die Sie selbst begeistern, mitreißen oder emotional berühren?Aus meiner Sicht ist die wichtigste Voraussetzung dafür, dass Kinder gern singen, dass die Lehrkraft Vorbild ist selbst gern singt und über ein vielseitiges Liedrepertoire verfügt. Kinder ahmen auch an dieser Stelle nach und wollen gern ihrer (Musik-)Lehrerin, ihrem (Musik-)Lehrer nacheifern.Ich vermeide also in meinem Unterricht und auch in der Kinderchorarbeit Lieder, die mich nicht ansprechen, zu denen mir nicht sofort eine Liederarbeitungsmethode einfällt oder die Umsetzung des Liedes in Gestik und Bewegung schwerfällt.In meinen Augen spricht dies ganz klar gegen einen festgeschriebenen Liederkanon, der vielleicht an vielen Schulen...

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