3. – 6. Schuljahr

Georg Biegholdt

Die russische Nationalhymne

Eine lange Geschichte zu einem Lied

Die Fußballweltmeisterschaft 2018 steht vor der Tür und findet in elf russischen Städten statt. Hier werden die Nationalhymnen der teilnehmenden Mannschaften erklingen und natürlich auch die des Gastgebers. Die kann man sich ja einmal mit den Kindern etwas genauer anschauen. Dabei gibt es einiges zu entdecken.

Im Jahre 1938 vertonte der sowjetische Komponist Alexander Alexandrow (1883 –1946) die „Hymne der Partei der Bolschewiki von Wasili Lebedew-Kumatsch. Als Hymne der Sowjetunion wurde zu dieser Zeit die Internationale genutzt. Mit Bildung der Allianz gegen Hitler unterbrach Stalin die Bemühungen, die kommunistischen Parteien in den west-lichen Staaten gegen das herrschende System in Stellung zu bringen und damit war auch die Internationale nicht mehr tragbar. So beauftragte er 1943 Alexander Alexandrow mit der Komposition einer neuen sowjetischen Hymne. Dieser veränderte die ursprüngliche „Hymne der Partei der Bolschewiki nur geringfügig. Den Text steuerte Sergei Michalkow (1913 – 2009) bei. Seit dem 1. Januar 1944 war das pathetische Stück in dem natürlich auch Stalin als Erzieher des Volkes seinen Platz hatte die Hymne der Sowjetunion.
Nach Stalins Tod, im Jahre 1953, erholte sich die Sowjetunion nur langsam von seiner Schreckensherrschaft. Im Jahr 1956 rechnete sein Nachfolger Nikita Chruschtschow mit Stalins Verbrechen ab, ohne die Diktatur der Partei infragezustellen. Und so dauerte es bis 1977, ehe er auch aus der Nationalhymne verschwand. Sergei Michalkow selbst änderte den Text und stellte die Strophen um: Nun war es Lenin, der namentlich auftauchte. In dieser Form blieb die Hymne bis zum Zerfall der Sowjetunion im Jahr 1991.
Als größtes Land der ehemaligen Sowjetunion ging Russland aus ihrem Scheitern hervor, welches sich bereits 1990 das „Patriotische Lied, ein Klavierwerk von Michail Glinka (1804 –1857) als Hymne auserkoren hatte. Großer Beliebtheit erfreute sich das textlose und damit nicht singbare Werk nicht. Der Gewinnertext eines 1999 ausgeschriebenen Wettbewerbs kam schließlich zu spät: Im Jahr 2000 erinnerte sich der frühere sowjetische Geheimdienst-offizier, der es inzwischen zum russischen Präsidenten gebracht hatte, an die alte Hymne. Und zum dritten Mal befasste sich Sergei Michalkow mit dem Text: Lenin verschwand, um Gott Platz zu schaffen. Seit Putins offiziellem Amtsantritt, wo die Hymne der Russischen Föderation erstmals aufgeführt wurde, ist sie nun Nationalhymne.
Die amerikanische Disco-Band Village People adaptierte 1979 die musikalisch pompöseste Zeile die übrigens den Harmonien des berühmten Pachelbel-Kanons folgt in dem Song „Go West. Der Song enthält eine Subbotschaft: In dieser Zeit zog es viele Homosexuelle in das freizügigere Kalifornien an der Westküste, insbesondere nach San Francisco. Als die Pet Shop Boys 1993 den Song zum Welthit machten, veränderten sie den Text geringfügig, um dies deutlicher zu machen. Das Video zum Song spielte allerdings mit ironischer Bildsprache tatsächlich im Lande des roten Sterns. In einer Sequenz ist ein Lenin-Relief zu sehen: Zu den Worten „Go West weist er mit ausgestrecktem rechten Arm nach Westen.
Der interessante Werdegang wird kaum mehr thematisiert: Die Russen singen voller Inbrunst ihre nun neue Nationalhymne und im Westen wurde das beliebte „Go West vielfältig adaptiert, in Deutschland zum Beispiel als Hymne der Schalke-Fans „Steht auf, wenn ihr Schalker seid oder als „Ein Zwerg in Otto Waalkes zweitem 7-Zwerge-Film „7 Zwerge der Wald ist nicht genug.
Die russische Hymneim Unterricht
Warum befassen wir uns überhaupt mit der russischen Nationalhymne? Weil die Fußballweltmeisterschaft 2018 vor der Tür steht. Und diese findet wenn sie nicht im letzten Moment aufgrund internationaler Spannungen abgesagt oder boykottiert wird in elf russischen Städten statt. Und es werden die Nationalhymnen der...

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen