3. – 6. Schuljahr

Jannick Schatz

„Rauben, klauen, stehlen: unser Lebenszweck!

Ein Räuberlied mit Gesang, Schauspielerei und Instrumentalbegleitung

Kinder brauchen Rückzugsräume und Gelegenheiten, sich an ferne, unbekannte Orte zu träumen. Projekte im Musikunterricht können diese Gelegenheiten bieten, indem sie musikalische Inhalte in fantasievolle Geschichten, Improvisation und Rollenspiele einbetten. Das „Räuberlied kann auch zu einem fächerverbindenden Projekt ausgebaut werden.

Das vorliegende Räuberlied entstand im Rahmen eines Musiktheaterprojektes, für das der vierte Jahrgang meiner Grundschule Szenen für das Märchen „Die Schneekönigin ausgestaltete und einübte. Eine dieser Szene spielte im finsteren Räuberwald: Die Protagonistin Gerda wird von einer Bande raubeiniger Gesellen überfallen, die vor ihr prahlen, wer denn nun der abgebrühteste, härteste und fieseste Räuber des Waldes sei. Die Auflösung offenbart schließlich, dass es keiner der Räuber, sondern das kleine Räubermädchen ist, welches die Hosen anhat. Schlussendlich enttarnt sie ihre Räuber als Häuflein großmäuliger, aber liebenswerter und harmloser Originale. Die Arbeit an dieser Szene entflammte lebhafte, kreative Diskussionen in der Klasse. Wie sprechen und singen Räuber? Wie sehen sie aus? Wie bewegen sie sich? Was gilt in Räuberkreisen als besonders erstrebenswert?
Wir fanden mit verschiedenen Übungen und Experimenten schließlich zu unserer ganz persönlichen Räuberbande und damit zu ihren Kostümen, ihren Sprechtexten, ihren Namen und ihrer Liedchoreografie. Die Kinder haben sich somit ihre Rollen spielend und intuitiv angeeignet. In diesem Text möchte ich einerseits Vorschläge machen, wie das Räuberlied eingeführt und instrumental begleitet werden kann, andererseits aber auch dazu anregen, mit den Kindern kreativ an ihren persönlichen Räubercharakteren zu arbeiten. Solch eine spielende, persönliche Aneignung dieser Typen schlägt sich in der Motivation der Kinder nieder und wirkt auch für einen eventuellen Auftritt belebend.
Eine mögliche Unterrichtssequenz wird hier vorgestellt, die in Komplexität und Umfang an die jeweilige Lerngruppe angepasst werden kann. Dabei wird in den späteren Stunden davon ausgegangen, dass etwa eine Klassenhalbgruppe als Räuber singt und spielt und die andere Klassenhalbgruppe instrumental begleitet. Natürlich sollten die Halbgruppen im Verlauf der Unterrichtssequenz getauscht werden, um jedem Kind beide Bestandteile zugänglich zu machen.
Einführung
Was macht einen richtigen Räuber aus?
Für ein einführendes Unterrichtsgespräch können zwar Bild- oder Filmimpulse bereitgestellt werden, es hat sich aber gezeigt, dass die Kinder bereits ein sehr scharfes Bild ihres typischen Räubers im Kopf haben. Schnell wird deutlich, dass dieses ganz unterschiedlicher Natur ist, was individueller Erfahrung und medialer Vorbildung geschuldet ist: Räuber Hotzenplotz, die Panzerknacker, Billy the Kid, Ronja Räubertochter, Ali Baba und seine 40 Räuber die Vorbilder sind zahlreich und unterscheiden sich wesentlich in ihren Charaktereigenschaften. Diese Erkenntnis soll für die Findung eines ganz individuellen und persönlichen Räubers auf einem Steckbrief grundlegend sein.
Bevor das dazugehörige Arbeitsblatt (M1 ) von den Kindern bearbeitet werden kann, sollte, besonders in der dritten und vierten Klasse, zunächst ein gemeinsamer Wortspeicher angelegt und anschließend von den Kindern fixiert werden (M2 ). In der Gruppe gesammelte, relevante Adjektive wie etwa „gierig, „grimmig und „blutrünstig, aber auch Wörter wie „liebenswert und „schlitzohrig, helfen den Kindern im kreativen Prozess, ihre eigenen Charaktere zu formen. Für Kinder, die besonders sprachstark sind und mit ihrem Steckbrief schnell fertig werden, gibt es weiterführendes, freieres Arbeitsmaterial (M3 ), in dem sie die Vorstellung ihres Räubers ausformulieren können.
Auftritt der Räuber
Nachdem die Kinder mit ihrer Ausarbeitung fertig sind, sollen sie...

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