1. – 10. Schuljahr

Kirsi Zimmermann

Musikunterricht anders denken

Präsenzunterricht mit Abstandsregeln und Hygieneplan

Das Corona-Virus macht auch vor dem Musikunterricht nicht Halt. Jede Schule ist aufgefordert, die vorgeschriebenen Hygienepläne umzusetzen. Vieles muss jetzt neu durchdacht werden, das ist anstrengend. Schnell entsteht der Eindruck: „Nichts geht mehr. Normaler Musikunterricht ist so nicht mehr möglich. Aber was heißt schon „normal?

Nichts geht mehr? Genauer gesagt, geht der Musikunterricht nicht mehr, den wir immer gern gemacht haben oder der uns routiniert von der Hand geht. Ja, vielleicht ist das ein oder andere musikalische Handlungsfeld, das uns sehr ans Herz gewachsen ist, nicht auf gewohnte Weise oder sogar gar nicht umsetzbar.
Die Herausforderung liegt also darin, dass Musikunterricht in so einer Zeit anders gedacht werden muss. Ich habe gemerkt, dass, wenn ich mich frei mache von der Bewertung „nichts geht mehr, unglaublich viele neue Ideen in meinem Kopf entstehen. Endlich bin ich geradezu aufgefordert, Neues auszuprobieren.
Fragen und Möglichkeiten
Also, was gibt es zu bedenken, und was kann ich anders denken?
Wenn ich an den Mindestabstand von 1,50 m denke, weiß ich sofort, was alles nicht mehr geht: keine engen Tänze oder spontanen Bewegungsideen und Bewegungsspiele mit und zu Musik, keine Gruppen- oder Partnerarbeit, wo denkende Kinderköpfe eng zusammenstecken.
Und mir fallen Fragen ein, die ich mir als Unterrichtende, die man sich als Musikfachschaft und Kollegium stellen sollte:
  • Findet der Musikunterricht jetzt im Klassenraum statt oder doch im Musiksaal?
  • Wenn ein Raumwechsel vollzogen wird, welche Wege im Gebäude sind sinnvoll, wie werden „Engstellen (Türen etc.) bewältigt? Wer wartet wo und wie vor dem Fachraum?
  • Wie müssen die Stühle, Sitzgelegenheiten stehen, damit der Mindestabstand eingehalten wird?
  • Reichen 1,50 m Abstand überhaupt beim Singen? Beim Schreiben des Artikels Anfang Juni 2020 setzen Chöre, ob schulisch oder in anderen Kontexten, ihre Proben noch aus. Wie weit müssten alle Beteiligten auseinanderstehen, damit es verantwortbar ist? Oder im Schulgarten singen oder lieber gar nicht? Ich tendiere momentan zu Letzterem.
  • Gibt es Lüftungsregeln und Lüftungsroutinen? Wen störe ich zuerst, wenn ich mit geöffneten Fenstern oder Türen Musik unterrichte? Von wem oder was fühle ich mich zuerst gestört, wenn alles offen ist?
  • Findet Musikunterricht überhaupt statt oder ist Musik eher ein Bestandteil des Kernfachunterrichts für zwischendurch als musikalischer Erfrischer?
Kaum ist die erste Hürde genommen, kommt die zweite:
  • Die Hygieneregeln der Schule sind auch im Musikunterricht von allen zu beachten.
  • Für Instrumente oder Materialien müssen ggf. Desinfektionsroutinen eingehalten, und Absprachen mit Kolleginnen und Kollegen müssen vorbereitet werden. Es müssen Desinfektionsmittel bereitstehen, die von Instrumenten und Materialien vertragen werden.
  • Wenn keine Instrumente eingesetzt werden können, werden Materialien aus dem Ranzen genutzt.
Viel Denkarbeit ist gefordert. Und was kann ich, ohne lange nachzudenken oder viele Absprachen zu machen, noch nutzen? Das Mindmap gibt einen Überblick.
Aktuelle Informationen und Unterrichtsideen finden Sie auf unserem Blog unter: https://www.grundschule-musik.de

Weiterlesen im Heft

Vorteile im Abo

Exklusiver Online-Zugriff auf die digitalen Ausgaben der abonnierten Zeitschrift
Print-Ausgabe der abonnierten Zeitschrift bequem nach Hause
Zusatzvorteile für Abonnenten im Online-Shop genießen