1. – 6. Schuljahr

Birgit Jeschonneck

Musikalische Spielereien

„Spiel-Zeugs in der Musik

Spielen ist ein ganz elementares menschliches Bedürfnis. Spielen ist kreativ, es bereitet Freude und Ärger, es schafft Übe-Szenarien für verschiedenste soziale Situationen, es fordert oft Geschicklichkeit und Ausdauer. Man könnte ewig so weiterschreiben: Homo ludens der spielende Mensch ist immer auch der lernende Mensch.

Gespielt wird mit selbstgebastelten Stoffpüppchen in Madagaskar und in überfüllten Kinderzimmern in Europa. Es gibt heißgeliebtes und unverzichtbares Spielzeug; es gibt Spielzeug, das so wenig die Spielfreude anregt, dass es kaum Abnutzungserscheinungen zeigt, bevor es weggeworfen wird. Im Sachunterricht ist das Thema Spielzeug ein guter Anlass, um einmal über Konsum und Nachhaltigkeit zu sprechen und über verschiedene Spielwelten.
Kinderspiele heute und immer
Wie bekommt man sechs anstrengende, laute Kinder schnell ruhig? Man stelle ihnen eine Konsole ins Zimmer.
Das sind dann die Spiele, die manchen Erwachsenen etwas ratlos danebenstehen lassen: Fehlt da nicht das Haptische, das Physische, das Direkte? Ja, das tut es sicher. Aber uns Erwachsenen fehlt vielleicht auch inzwischen der Spieltrieb, sich auf diese neue Art des Spielens einzulassen.
Dieser Ausgabe von Grundschule Musik liegt der Workshop Nr. 16 „Wischen, klicken, musizieren! Mit Apps Musik erfinden, gestalten und entdecken von Frauke Hohberger bei. Vielleicht ein Anlass, sich mit spielerischer Freude mal gemeinsam auf etwas Neues einzulassen?
Es gibt natürlich immer noch die Dauerbrenner: Sammelkarten, Ballspiele, Klatschspiele, Fangspiele. Und bei den Spielzeugen: Puppen und Bälle; auch Kreisel gibt es immer noch nur jetzt heißen sie Beyblades. Federball, Domino und Memory wird alles immer noch gespielt. In dieser Ausgabe von Grundschule Musik geht es schwerpunktmäßig um Spielzeug und um Kinderspiele in der Musik und im Musikunterricht.
Musikhören und Spielzeug
Kinderspiele und Spielzeuge haben schon vor über hundert Jahren Komponisten zu kleinen Charakterstücken inspiriert, häufig für Klavier. Bei Schumanns „Kinderszenen und auch bei George Bizets „Jeux dEntfants waren dies eher gerührt-nostalgische Blicke zurück ins Kinderzimmer. Andere Komponisten (z.B. Tschaikowsky oder Kabalewski) nutzten das Bild des Spielzeugs gern als „lebensweltliches Thema kleiner Kompositionen für junge Klavierschüler. Und Erik Satie nahm etliche Jahre später Sport und Spiel als Anlass zu seinem tonmalerischen musikalischen Spaß „Sports et Divertissements.
All diesen kleinen Musikstücken ist gemeinsam, dass die Komponisten sich durch die Bewegungen des Spielzeugs oder den Spielablauf (und manchmal auch durch das Gefühl beim Spielen) zur Musik haben anregen lassen. Sie haben dem Kinderspiel das Musikalische abgelauscht. Beim aktiven Musikhören mit Kindern wird dieser Prozess dann umgedreht: Die Kinder entschlüsseln zuerst das Programm und entwickeln dann eigene kreative Gestaltungen zur Musik.
Und noch einmal Musikhören: Mathias Schillmöller stellt in seinem Artikel das wenig bekannte Kinderballett „La Boîte a Jouxjoux (Die Spielzeugschachtel) von Claude Debussy vor. In einer imaginären Spielzeugschachtel können Schülerinnen und Schüler dann selber aktiv werden mit Musik und Tanztheater und medialen Gestaltungen.
Musik erfinden mit Spielzeug
Eigene Spielzeugmusiken zu erfinden, liegt dann nahe: Um Glasmurmeln geht es im Beitrag von Christine Weghoff und Olaf Pyras. Murmeln gehören wahrscheinlich zu den ältesten Spielzeugen überhaupt, und noch heute sind Kinder fasziniert von den kleinen gläsernen Kunstwerken. Wie man mit ihnen spielt, wissen sie oft gar nicht mehr. Vielleicht ist ja an den letzten warmen Tagen des Jahres Zeit, im Musikunterricht die experimentellen Murmel-Glasspielereien auszuprobieren und für die Pause dann gleich ein paar kleine Murmelspiele einzuführen? Hier ist also das Spielzeug selbst Material für die Musik.
Im...

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