1. – 13. Schuljahr

Georg Biegholdt

Olympische Spiele im fernen Osten

Wie klingt eigentlich Japan?

Japan ist von Deutschland über 10000 Kilometer entfernt. Die dort 2021 stattfindenden Olympischen Spiele sind ein guter Anlass, sich mit diesem uns doch fremden Land zu beschäftigen und seine Musik und Kultur wenn auch von ferne besser kennenzulernen.

Schreiben Sie einmal alle Begriffe auf, die Ihnen zu Japan einfallen
Nun, was haben Sie auf Ihrem Zettel stehen? Sind folgende Begriffe dabei? Samurai. Kirschblüte. Mangas. Hiroshima und Nagasaki. Kamikaze. Shinkansen. Fukushima. Tokio. Sony. Toyota. Fuji. Fotografierende Touristen. Reis. Sushi. Essstäbchen.
Wahrscheinlich haben Sie noch den einen oder anderen Begriff mehr, vielleicht fallen Ihnen witzige Nachrichten ein (wie die von den Bahnangestellten, die die Passagiere in die Züge drücken), aber am Ende merkt man: Viel mehr als einige Klischees ist da tatsächlich nicht
Wenn im Sommer 2021 alle Welt nach Japan zu den Olympischen Spielen schaut, ist das auch ein Grund, etwas mehr über dieses Land erfahren zu wollen (Impressionen s. Abb. 1– 7 ), als uns die Fernsehbilder der Sportwettkämpfe und des aufwendig organisierten Drumherums zu bieten haben. Denn da gibt es noch Alltagskultur, Geschichte, Bildende Kunst, Literatur und natürlich Musik.
Zur Musik- und Kulturgeschichte Japans
Wenn wir uns mit traditioneller japanischer Musik befassen wollen, müssen wir als Erstes unsere europäischen Ohren beiseitelegen. Die Anfänge der Musik finden sich in vielen Kulturen als getrommelte Rhythmen. Während sich die Musik in Europa über viele Jahrhunderte zum diatonischen System hin entwickelte, hat die japanische Musik jedoch einen ganz anderen Weg genommen hin zu verschiedenen pentatonischen Systemen, die teilweise nur durch Ganztonschritte gekennzeichnet sind, teilweise aber auch Halbtonschritte aufweisen. Diese grundlegenden tonalen Unterschiede werden verstärkt durch einen in Japan ganz anders gepflegten Stimmklang beim Gesang, der oft durch Sopranistinnen oder im Falsett singende Männer ausgeführt wird. Diese Musik mit unseren Maßstäben und Begriffen erfassen zu wollen, würde ihr kaum gerecht.
Parallelen zu Europa
Trotz allem kann man auch Gemeinsamkeiten von „abendländischer und japanischer Musik finden: So werden in beiden Kulturkreisen trotz immer weiter hinzukommender Neuschöpfungen die Stile, Lieder und Musikstücke vergangener Zeiten weiter gepflegt und haben ihren Platz im kulturellen nationalen Gedächtnis. Und die der Musik zugrundeliegenden Gesetze der Physik haben die Menschen zwar klanglich verschiedene, in der Tonerzeugung aber durchaus ähnliche Instrumente erfinden lassen: Wie Gitarre oder Violine sind Koto und Shamisen mit Saiten bespannt, die Bambusflöte Shakuhashi ist mit unseren Blasinstrumenten verwandt, die vielen verschiedenen Taikos sind (zumindest traditionell) ebenso mit Tierhäuten bespannt, wie es unsere Trommeln und Pauken einmal waren.
Interessanterweise gibt es auch Parallelen in musikalischen Praxen: So findet der gregorianische Choral ungefähr zeitgleich seine Entsprechung im einstimmigen Gesang buddhistischer Mönche, und eine Art Oper kannte man in Japan schon einige Jahrhunderte vor der ersten europäischen Opernaufführung.
Edo-Zeit (1603 –1868)
Zu Beginn der Edo-Zeit (nach dem seinerzeitigen Namen der Hauptstadt benannt; um 1600 bis Mitte des 19. Jahrhunderts) beendete das Verbot des Christentums in Japan ein kurzes Zwischenspiel portugiesischer und spanischer Missionare, welche durchaus auch erste europäische Musik mitbrachten. Angesichts dessen, was den Kulturen anderer Teile der Welt in dieser Zeit widerfuhr, erscheint die über die gesamte Edo-Zeit umgesetzte Politik der Isolation durchaus verständlich. Runde 250 Jahre lang waren die Niederlande der einzige europäische Handelspartner Japans. Eine Kolonialisierung wurde vermieden, die Kultur erhalten.
Meiji-Zeit (1868 –1912)
Mitte des 19. Jahrhunderts trafen dann der...

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