1. – 6. Schuljahr

Georg Biegholdt

„Kimi ga yo

Die japanische Nationalhymne im Musikunterricht

Die japanische Nationalhymne ist unter Beteiligung von Japanern, einem Briten und einem Deutschen entstanden und damit ein Zeugnis der Verbindung nationalen japanischen Stolzes mit Weltoffenheit. Einerseits enthält sie traditionelle japanische Elemente, andererseits lässt sich der europäische Einfluss nicht leugnen. Die Kinder lernen sie kennen, indem sie sie hören, musizieren und vielleicht sogar singen.

Der Text der japanischen Nationalhymne „Kimi ga yo (s. Infokasten 1 ) stammt je nach Quelle aus dem 10. oder 12. Jahrhundert und wurde zu wechselnden Melodien gesungen.
Die Vertonung von John William Fenton (s. Infokasten 2) von 1870 konnte sich zwar nur kurze Zeit als Nationalhymne halten, hat aber den Text nachhaltig etabliert. Die Fentonsche Version wird heute noch jährlich im Myōkōji-Schrein in Yokohama, Fentons Wohnort in Japan, aufgeführt.
1880 vertonte Hiromori Hayashi (s. Infokasten 2) die Hymne neu im traditionellen japanischen Stil doch auch in dieser Version ist der Einfluss europäischer Hymnen nicht zu überhören. Für die Wiedergabe durch Orchester notierte schließlich Franz Eckert (s. Infokasten 2) 1880 die Melodie auf europäische Art (basierend auf der dorischen Tonleiter) und orchestrierte die Hymne. In dieser Fassung wurde sie 1888 zur japanischen Nationalhymne erklärt. Eine feierlich gesungene Version ist hier zu finden: https://www.youtube.com/watch?v=29FFHC2D12Q&feature=youtu.be
INFO 2
INFO 2
An der Entstehung der Nationalhymne beteiligte Musiker
John William Fenton (12.3.1828 – 28.4.1890)
war ein irischer Musiker schottischer Herkunft und der Leiter einer Militärkapelle in Japan zu Beginn der Meiji-Periode. Er kam 1868 mit einem Regiment zum Schutz der kleinen ausländischen Gemeinschaft in Yokohama nach Japan. Als Fentons Regiment Japan 1871 verließ, blieb er weitere sechs Jahre als Kapellmeister bei der neu gegründeten japanischen Marine und dann bei der Kapelle des kaiserlichen Hofes. Im April 1877 verließ Fenton Japan in Richtung Kalifornien.
Hiromori Hayashi (28.12.1831– 5.3.1896)
war ein japanischer Komponist, dem das Komponieren der japanischen Nationalhymne zugeschrieben wird. Ab 1875 wirkte er in Tokio und half dabei, die westliche Musiktheorie mit der japanischen Theorie zu verbinden. Ob er tatsächlich der Komponist der Hymne war, bleibt unklar: Es gibt Historiker, die sie stattdessen zwei Untergebenen Hayashis zuschreiben Oku Yoshiisa und Akimori Hayashi (gleichzeitig Hiromori Hayashis Sohn und ein Schüler Fentons).
Franz Eckert (5.4.1852 – 6.8.1916)
war ein deutscher Komponist und Musiker, der die Harmonien für Japans Nationalhymne „Kimi ga yo und die Nationalhymne des koreanischen Reiches „Aegukga komponierte. Auf Einladung der kaiserlichen japanischen Marine reiste der Militärmusiker 1879 nach Japan, wo er zwischen 1883 und 1886 im Bildungsministerium für die Musikprüfungskommission im Bereich der Blas- und Streichmusik arbeitete und Liederbücher für japanische Grundschulen veröffentlichte. Im März 1888 trat Eckert in die Abteilung für klassische Musik des kaiserlichen Haushaltsministeriums ein und komponierte Zeremonialmusik für Hof und Militär. Eckert kehrte 1899 nach Deutschland zurück, folgte jedoch bereits 1901 einer Einladung des koreanischen Reiches nach Seoul.
Diskussion über die Hymne nach dem Zweiten Weltkrieg
Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Rolle des Kaisers neu festgelegt wurde nicht länger ein Herrscher, der nach göttlichem Recht regiert, sondern ein Mensch, der ein Symbol für den Staat und die Einheit des Volkes darstellt , wurde über die Hymne diskutiert, ohne sie aber zu verändern oder zu ersetzen.
In den 1990er-Jahren flammte die Diskussion wieder auf, wurde jedoch durch den seinerzeitigen Premierminister zu beenden versucht: Der Kaiser im Text sei als Symbol des Staates und der Einheit des Volkes zu verstehen und die Lyrik von „Kimi ga...

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