1. – 13. Schuljahr

Instrumente einsetzen aber wie?

Tipps und Tricks, damit das am besten häufige und regelmäßige Musizieren mit Instrumenten gelingt

„Wenn ich Instrumente einsetze, bricht das Chaos aus
Ach, was habe ich in meinen ersten Berufsjahren gekämpft. Stille als oberstes Prinzip wurde in der Lehrerbildung nicht explizit benannt, als Kriterium für guten Unterricht schimmerte es jedoch überall durch. Und dann wurden die Kinder aufgefordert, ihre Instrumente nur dann zu benutzen, wenn das angesagt wurde und sie hielten sich nie daran. Da wurde mehrfach geprobt, Instrumente in aller Stille zu holen und wegzubringen. Und es klappte beim nächsten Mal wieder nicht.
Ausprobieren wollen
Nicht nur Kinder haben, sobald sie ein Instrument in der Hand halten, den Drang, es auszuprobieren. Bei Erwachsenen kann man das genauso beobachten. Es scheint also irgendwie etwas ganz Natürliches zu sein. Und in der Zeit, in der die Kinder ihre Instrumente holen, habe ich ja eigentlich nichts anderes vor, kann ohnehin nur abwarten. Aber dieser Lärm! Da gibt es einen ganz einfachen Trick, der immer wieder funktioniert: Ich suche mir ein Kind aus, das ich beobachte:
Was genau macht es mit dem Instrument?
Probiert es verschiedene Klangmöglichkeiten?
Verschiedene Rhythmen?
Freut es sich einfach über die Lautstärke?
Versucht es, mit anderen wild drauflos spielenden Kindern in Interaktion zu treten?
Und während ich dies beobachte, tritt der ganze restliche Lärm in den Hintergrund. Und ich kann Dinge sehen, die ich sonst nie bemerken würde. Statt Kraft beim Durchsetzen einer ohnehin nicht erfüllbaren Forderung zu vergeuden, gewinne ich Eindrücke und erfreue mich am vermeintlich unbeobachteten, weil scheinbar in der Masse untergehenden Ausprobieren.
Parkplatz für das Instrument
Natürlich muss irgendwann trotzdem wieder Ruhe einkehren. Das gelingt nur nicht, solange sich das Instrument in der Hand befindet. Daher lautet die Vereinbarung: Wenn man mit dem Instrument am Platz angekommen ist, wird es aus der Hand gelegt. Sitzen wir im Kreis auf dem Boden, liegt es vor uns; sitzen wir auf den Stühlen mit der ausklappbaren Tischplatte, liegt es auf dieser.
Anleiten und Regeln
In der eigentlichen Musizierphase kommt es vor allem darauf an, dass nicht allzu viele (und vor allem lange) Pausen entstehen, in denen die Kinder wieder auf die Idee kommen, ungeplant ihr Instrument zu benutzen. Zu diesen Pausen zählen auch die Redepassagen der Lehrperson: Also weniger erklären, lieber lernen beim Tun. Und die Qualität der Vorlage (wenn es nicht um kreatives Ausprobieren geht) ist nicht zu unterschätzen sei es das Notenblatt, der Spielsatz am Overheadprojektor oder das nonverbale Anleiten durch die Lehrperson.
Nun ist die Qualität hoch, unnütze Pausen gibt es nicht, alle Vereinbarungen sind bekannt und trotzdem bricht das Chaos aus oder einzelne Kinder nerven (nicht nur die Lehrperson) durch unkontrolliertes Spiel. Für das Chaos muss es ein vorher benanntes, von allen hörbares akustisches Signal geben, welches sofortige Stille einfordert, zum Beispiel ein Gong (Abb. 1 ) oder ein Glissando auf dem Klavier.
Gezielte Interventionen
Wenn es um einzelne Kinder geht, sollte nach den Ursachen gesucht werden: diese werden vom ständigen Ermahnen kaum beseitigt (zur Not auch mal das Kind befragen). Das ständige Ermahnen führt letztendlich zu nichts und stört die Beziehung zwischen Lehrperson und Kind. Irgendwann macht das Kind das dann, um damit gezielt die Lehrperson zu ärgern. Soweit sollte es nicht kommen: Wir wollen dem Kind ja helfen, sich richtig zu verhalten. Also versuchen wir es mit Interventionen, die nicht einfach nur Nörgelei sind und die zu uns und der Beziehung zwischen dem Kind und mir passen.
Intervention mit Wertschätzung: „Die Passage mit der Holzblocktrommel hast du toll gespielt. Versuche beim nächsten Mal in der Passage der Schellenringe ganz still zu sein.
Intervention mit Augenzwinkern: „Das nervt, dass du jetzt...

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