1. – 13. Schuljahr

Andrea Welte

Macht Musik glücklich?

Vom Glück des Musizierens und seiner Bedeutung für den Musikunterricht

Gemeinsamem Musizieren werden viele gute Eigenschaften zugeschrieben, aber macht Musik auch glücklich? Und was ist eigentlich Glück? Diese Fragen beschäftigen zwar nicht nur die Wissenschaft, ihnen wird hier aber auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse nachgegangen.

Ein Märchen aus Mexiko schildert, wie die Musik das Glück auf die Erde brachte.
„Komme, o Wind! Tezcatlipoca, Gott des Himmels und der vier Himmelsrichtungen, rief den klagenden Erdenwind.
Die traurige Erde sei des Schweigens überdrüssig. Sie habe Licht, Farben, Früchte, doch fehle ihr die Musik.
Der Wind sollte dafür sorgen, dass alle vielfarbigen Melodien, Musikanten und Sänger, die glücklich im Lichte des Himmels bei Vater Sonne wohnten, ihn auf die Erde begleiteten.
Mithilfe von Blitzen und Donnergrollen gelang es dem Windgott, die Musiker und Sänger zur Erde zu bringen. Sie verstreuten sich über die Erde und mit ihnen kehrte das Glück ein (Abb. 1 ).
Der Wind vergaß seine Klagen und sang. Alles lernte zu singen: der erwachende Tag, der träumende Mann, das spielende Kind, die wartende Mutter, das fließende Wasser und der Vogel der Luft (vgl. Kreusch-Jacob 2001, S. 9 –10).
Am Anfang war die Musik oder warum Musik glücklich machen kann
Auch in vielen anderen Märchen, Sagen und Mythen ist die Musik mit Glück verbunden.
In einem Märchen von der Entstehung der Welt aus Japan zum Beispiel wird die Sonnengöttin Amaterasu von wunderbarer Musik und von Tanz aus einer dunklen Höhle gelockt. So wird die finstere und leere Erde hell, bunt und lebendig.
Generell wird der Ursprung der Musik in vielen Kulturen den Göttern zugeschrieben und Musik als ein Mittel angesehen, Verbindung zum Göttlichen aufzunehmen.
Die Bedeutung von Musik für den Menschen
Warum der Mensch ohne Musik nicht leben kann, erörtert der Neurowissenschaftler und Musikphysiologe Eckart Altenmüller auf der Grundlage seiner Forschungen in einem kürzlich erschienenen gleichnamigen Buch. Das Singen und Musizieren sei Teil unseres Menschseins, da Musik der Verständigung zwischen Menschen auf mehreren Ebenen diene und dazu beitragen könne, die Welt und unser Leben besser zu verstehen und zu ertragen (vgl. Altenmüller 2018, S. 9). Dass Musik nicht nutzlos, also kein „akustischer Käsekuchen, d.h., eine letztlich unnötige Delikatesse, ist, sondern vielmehr eine vielschichtige, grundlegende soziale Kunst, die älter ist als die Sprache, lässt sich an der wichtigen Rolle der Musik in der menschlichen Entwicklungsgeschichte sehen (Abb. 2 ).
Das Musizieren brachte offenbar evolutionäre Vorteile für den Menschen, etwa durch das Erzeugen von emotionalem Zusammenhalt in der Gruppe oder durch die Koordination und Synchronisation von Bewegungen im Tanz oder bei der Arbeit (Abb. 3 ). Nicht nur im Neandertal bis in die Gegenwart ist Musik für den Menschen wichtig. Vermutlich wurde sie als Kommunikationssystem neben der Sprache beibehalten, um Gefühle zu übermitteln, Gruppenprozesse zu fördern und die Arbeitsorganisation zu erleichtern, vor allem aber, um Glücksgefühle zu ermöglichen und damit das Leben lebenswerter zu machen.
Was ist Glück eigentlich?
In der deutschen Sprache wird der Begriff „Glück heute in zwei sehr unterschiedlichen Bedeutungen gebraucht: Glück haben und Glück empfinden. Das Empfinden von Glück ist sowohl ein kurzer Gefühlsmoment als auch ein Zustand, in dem sich eine Person befindet und der sich durch ein allgemeines, oft unbewusstes Wohlbefinden auszeichnet. Entscheidend sind dabei nicht die objektiven Tatsachen, sondern ist das subjektive Erleben der betreffenden Person.
„Glück empfinden existiert also in zwei möglichen Varianten:
  • kurze Zeitdauer, wir erleben einen Glücksmoment (englisch „pleasure). Beispiele hierfür sind: eine Lieblingsmusik hören; etwas Gutes essen; mit Freunden zusammen sein; eine wichtige Sache erfolgreich abschließen;
  • daue...

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