2. – 4. Schuljahr

Manuela Widmer

Kunterbunte Raben in Szene setzen

Elementares Musiktheater mit der ganzen Klasse

Kinder verkleiden sich gern und schlüpfen ganz natürlich in andere Rollen, z.B. beim Spielen. Diese Fähigkeiten werden beim Elementaren Musiktheater genutzt und auf ein Thema konzentriert, das gemeinsam erarbeitet wird und schließlich zur selbstständigen Aufführung durch die Kinder führt. Hier wird das Projekt „Kunterbunte Raben vorgestellt.

Beim Elementaren Musiktheater (s. Infokasten) steht die Selbsttätigkeit der beteiligten Kinder wie Lehrenden im Vordergrund; künstlerisch können alle menschlichen Ausdrucksformen zur Anwendung kommen, wobei sich der persönliche Ausdruck der Kinder einerseits und die behutsame fachliche Einflussnahme auf die Gestaltungsprozesse durch Lehrende andererseits die Waage halten sollen.
Elementares Musiktheater
Elementares Musiktheater
Entstehung
Das pädagogisch-künstlerische Konzept des Elementaren Musiktheaters (EMT) ist von meinem Vater, Lehrer und Kollegen Wilhelm Keller in den 1970er-Jahren entwickelt und von mir weiter ausgebaut worden. Keller suchte nach einem musikpädagogischen Weg, um in heterogenen Gruppen von Menschen mit mehrfachen Beeinträchtigungen an einem gemeinsamen Thema zu arbeiten und doch jedem Gruppenmitglied eine individuelle Mitwirkung zu ermöglichen. Keller erweiterte seine Arbeit auch auf Grundschulen und wählte Kurzgeschichten, alte und neue Märchen sowie Bilderbuchgeschichten als zu gestaltende Stoffe.
Meine langjährige Praxis an Musik-, Grund- und Sonderschulen und die Erfahrungen daraus sind in einem Handbuch zum EMT „Spring ins Spiel (2004) zusammengefasst. Durch eine DVD (2015), auf der der Arbeitsprozess eines EMT-Projekts mit einer 4. Klasse ausführlich dargestellt, kommentiert und reflektiert ist, wurde das Handbuch ergänzt.
Pädagogisch-künstlerisches Konzept
Das EMT setzt vielseitige Gestaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten mit Musik, Sprache, Bewegung/Tanz im szenischen Spiel ein. Die Freude des selbsttägigen Kindes steht im Fokus der Arbeit, an der jede pädagogisch-künstlerische Entscheidung gemessen werden soll.
Bei der Rollen- und Aufgabenverteilung geht es darum, dass Kinder ihren individuellen Fähigkeiten und Wünschen entsprechend beteiligt und während des Spiels vielseitig aktiv werden. Diese Forderung macht die Arbeit mit dem EMT für Lehrende wie Kinder herausfordernd, denn alle müssen während des Erarbeitungsprozesses ständig in einem offenen Austausch bleiben, um Über- oder Unterforderungen zu erkennen und zu beheben. Auftretende Konflikte sollten kompromissbereit auf allen Seiten gelöst werden, um das kreative Arbeitsklima nicht dauerhaft zu belasten.
Kinder sind im Grundschulalter spielfreudig und drücken sich zumeist unbefangen mit ihrem Körper, ihrer Stimme und auf Instrumenten aus. Aber sie benötigen die fördernde und fordernde Begleitung und Unterstützung erwachsener spielfreudiger Vorbilder, die ihnen helfen, ihren Ideen eine Form zu geben.
Freude, Begeisterung und angemessene fachliche und kreative Herausforderungen am Tun durchziehen den Projektverlauf. Lehrende gehen von den aktuell vorhandenen Fähig- und Fertigkeiten der Kinder aus. Es braucht eine ständige, offene Kommunikation während des Gestaltungsprozesses, die Bereitschaft zu Flexibilität und eine gewisse Frustrationstoleranz. So wird nicht alles umsetzbar sein, was Lehrende und Kinder zu Beginn des Projekts geplant und erwünscht hatten, dafür wird manches geschehen, was alle überrascht.
Übersicht über den Projektablauf in der Klasse
Eine Geschichte bildet die gemeinsame Basis, auf der Kinder zusammen mit der Projektleitung zunächst die Szenenfolge mit aussagekräftigen Titeln versehen, die die jeweilige Szene charakterisieren. Die Kinder können an fast allen Gestaltungselementen mitarbeiten. Auch wenn die Lehrkraft bereits Vorschläge für Sprechstücke, Lieder oder Tänze vorbereitet hat, werden diese mit den Kindern besprochen und...

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