1. – 13. Schuljahr

Christoph Lubrich

Wie stelle ich die Mikrofone für die Vocals gut ein?

Technische und räumliche Gegebenheiten aufeinander abstimmen

Mit der Frage „Warum sind meine Vocals immer zu leise und wie setzen sie sich besser gegenüber der Band durch? starten wir in die Welt der Tontechnik. Für die Lösung dieser Frage ist das Zusammenwirken verschiedener Faktoren zu betrachten, die im Folgenden beleuchtet werden.

Die Raumakustik
Grundlage für einen guten Sound ist die Akustik des Musikraums. Diese beurteilen wir, indem wir mitten im Raum in die Hände klatschen, um Nachhall und Raumklang zu beurteilen.
Eine schöne, natürliche Akustik mit einem Nachhall von einer halben bis drei Sekunden ist fantastisch für Chor oder Orchester. Wenn wir mit einer Verstärkeranlage arbeiten wollen, ist sie allerdings kontraproduktiv, da der Sound durch den hohen Anteil an Reflektionen im Verhältnis zum Direktschall „zermatscht. Ideal wären zwei Musikräume, einer für Chor und Orchester und einer für Band. Diesen zweiten Raum sollte man akustisch möglichst trocken bekommen, indem möglichst viele schallabsorbierende Materialien wie Vorhänge, Teppiche, Sofas oder Bücherregale eingebracht werden.
Sollte die Möglichkeit zweier Räume nicht bestehen, empfehle ich Moltonvorhänge mit mindestens 300g pro Quadratmeter vor allen glatten Flächen anzubringen, die man bei Bedarf zuziehen kann.
Der Bandsound
Soll sich der Gesang gut durchsetzen, braucht er Platz im Arrangement. In locker instrumentierten Strophen setzt sich der Gesang besser durch als gegen ein Fortissimo der Bigband. Wichtig ist außerdem der Blick auf das Frequenzspektrum. Sprachverständlichkeit findet je nach Timbre – im Bereich zwischen 1 – 3,5 kHz statt. Diesen Bereich wollen wir für den Gesang freihalten. Das geht einfach, indem wir die Melodie- und Harmonieinstrumente, also Gitarren, Keyboards und Bläser, mit den Gesängen abstimmen. Zu guter Letzt ist Dynamik der Schlüsselfaktor. Tontechnik kann nur hervorheben, was musikalisch passiert, daher ist es wichtig, dass die Musiker aufeinander hören und in der Lage sind, sich zurückzunehmen.
Anordnung im Raum
Dann ist die Position der Instrumente zueinander zu beachten. Ist an der Stelle, an der wir das Gesangsmikro aufstellen, Bass, Snare oder ein anderes Instrument lauter als der Gesang, haben wir keine Chance, diesen zu verstärken. Die Nebengeräusche werden den Gesang stets verdecken. Die Vocals sollten also nicht mit dem Rücken, sondern gegenüber oder abseitig von allen lauten Instrumenten stehen, da die meisten Gesangsmikrofone eine Nierencharakteristik haben, die rückwärtigen Schall ausblendet. Das Mikrofon nimmt den Schall am besten auf, je näher die Schallquelle an der Kapsel ist, die Lippen dürfen den Korb ruhig berühren! Wem das zu unhygienisch ist, dem empfehle ich, die Mikrofone regelmäßig zu desinfizieren.
Einstöpseln und los?
Nun werden die Mikrofone und Line-Signale mit den Eingängen des Mischpults verbunden und die Ausgänge des Pults mit dem Verstärker, dieser wiederum mit den Lautsprecherboxen. Bei aktiven Anlagen entfällt dieser Schritt, da der Verstärker dort bereits im Lautsprecher verbaut ist. Bevor es losgeht, achten wir natürlich auf Sicherheit! Alle Geräte, die einen Stecker haben, müssen regelmäßig elektrisch geprüft werden, damit niemand einen elektrischen Schlag bekommt. Guckt mal eine Ader aus dem Kabel, muss die Anlage sofort aus dem Verkehr gezogen werden!
Wichtig ist, dass wir uns bewusst sind, dass zu hohe Lautstärken, z.B. durch unkontrollierte Feedbacks, eine echte Gefährdung des Gehörs darstellen. Besonders bei Heranwachsenden können dadurch bleibende Schäden entstehen. Die Lautstärke bei der Bandprobe sollte bei ungefähr 85dB liegen, das ist lauter als ein Staubsauger, aber leiser als eine Kreissäge. Es gibt diverse Apps, mit denen man die Lautstärke messen kann, wenn es nicht supergenau sein muss. Besonders bei Blechbläsern wird diese Grenze auf jeden Fall überschritten,...

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