1. – 2. Schuljahr

Georg Biegholdt

Das Menuett aus Händels 2. Wassermusik

Mit jungen Hören in das Musikhören einsteigen

Viele Kinder haben bis zu ihrem Schuleintritt wenig Berührung mit klassischer Musik. In diesem Alter sind sie noch für alle Musikrichtungen offen. Diese Offenheit gilt es zu nutzen, um sie mit vielfältiger Musik bekannt zu machen. Dies ist eine der Aufgaben des musikalischen Anfangsunterrichts das Menuett bietet dafür einen guten Einstieg.

Es reicht nicht, diese Musik nur zu hören: Kinder brauchen in der Regel „Action“ – das heißt, da muss auch etwas passieren. Insbesondere der Bewegungsdrang der Kinder kann genutzt werden, um sie handelnd mit ihnen zunächst unvertrauter Musik bekannt zu machen. Das Menuett aus der 2. Wassermusiksuite von G. F. Händel ist für einen Einstieg in das schulische Musikhören bestens geeignet: Es ist mit der Spielzeit 125 recht kurz, sodass man es mehrmals hören kann ohne die Konzentration zu strapazieren. Gleichzeitig hat es mit dem Ablauf |:A:||:B:| eine leicht erfassbare Struktur. Die Musik hat etwas Festliches sie bietet sich sogar an, an geeigneter Stelle der Schuleinführungsfeier verwendet zu werden: Dann können die Kinder sie wiedererkennen, wenn sie im Musikunterricht behandelt wird.
Einstieg
Die Kinder sitzen mit der Lehrkraft im Stuhlkreis. Diese taktiert zur Musik mit den Händen das Dreiermetrum (siehe Abb. 1 ), wobei sie bei der ersten Zählzeit hörbar auf die Oberschenkel patscht. Die Kinder werden aufgefordert, zuzuschauen und sobald sie erkannt haben, wie es funktioniert mitzumachen. Auf diese Weise erfahren sie eine erste Struktur in der Musik, den Schwerpunkt. Das Taktieren muss von den Kindern keineswegs akkurat ausgeführt werden, es geht an dieser Stelle lediglich darum, den Rest des Taktes mit Bewegungen zu füllen.
Fortführung
Vor dem zweiten Hören kündigt die Lehrkraft an, dass die Bewegung sich verändert und fordert wiederum dazu auf, zunächst zuzuschauen und dann mitzumachen. Sie patscht nun den Grundschlag auf die Oberschenkel, wobei die erste Zählzeit mit größerer Bewegung (aber nur geringfügig lauter) ausgeführt wird. So erfahren die Kinder eine weitere Struktur in der Musik, Grundschlag und Metrum. Gemeinsam wird festgestellt, dass immer der erste von drei Schlägen besonders betont ist. Die Lehrkraft sollte hier genau in der Formulierung sein: „Jeder dritte Schlag würde bedeuten der letzte im Takt das ist aber nicht das Konzept des Taktes in der Musik.
Erweiterung
Nun soll der Rhythmus der Melodie in den Mittelpunkt der Wahrnehmung rücken und mitgepatscht werden. Dazu geeignet ist eine leichte Vereinfachung, wie sie im Notenbeispiel dargestellt ist (siehe M1 ).
Die Lehrkraft sollte den Rhythmus auswendig ausführen können (das ist mit wenigen Hör- und Mitpatschdurchläufen schnell gelernt), um Sicherheit auszustrahlen. Da die Kinder auch hier wieder spontan mitmachen sollen, sollten die Bewegungen groß und deutlich sein, damit die Kinder sie nicht nur hören, sondern auch sehen können. Da es sich nun nicht mehr um ein Muster handelt, welches sich Takt für Takt wiederholt, kann es nicht auf Anhieb klappen. Zwei Dinge führen dazu, dass das Ungewollte nicht dominiert:
  • Die Bewegung der Lehrkraft ist aufgrund ihrer größeren Statur immer markanter als die Bewegungen der Kinder.
  • Die Kinder werden aufgefordert, zunächst nur mit den Fingerspitzen zu patschen: So sind sie kaum zu hören und falsche Schläge fallen nicht auf.
Im Laufe mehrerer Durchläufe entwickelt jedes Kind ganz unbewusst seine eigene Strategie, wie es den Rhythmus immer besser mitpatschen kann. Diese setzt sich aus unterschiedlich hohen Anteilen verschiedener Aspekte zusammen:
  • Sehen, was die Lehrkraft tut und aus deren Bewegung vorherzusehen, ob jetzt ein Schlag oder mehrere kurze hintereinander kommen
  • Hören, was die Lehrkraft tut und sich dies Durchlauf für Durchlauf mehr einzuprägen
  • Hören, was im Hörbeispiel passiert und sich Einzelheiten aus dem Arrangement...

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