1. – 2. Schuljahr

Birgit Jeschonneck

Mit Musik anfangen

Herbstliches für den Anfangsunterricht

Als Klasse zusammenwachsen dazu gibt es im neuen Schuljahr in der Herbstzeit viele Gelegenheiten. Wie Sie dies mit musikalischen Aktivitäten verbinden und auf welche Aspekte Sie im Anfangsunterricht achten können, bescheibt dieser Beitrag.

Es ist Spätsommer oder schon Frühherbst und die neuen Erstkässler sind da. Ein kribbeliger, bunter, uns noch etwas unbekannter Haufen aber fast immer voller Neugierde und Begeisterung für Musik. Für drei sehr typische, herbstliche Unterrichtsinhalte des Anfangsunterrichtes (Apfel, Herbstblätter und Igel) wird in den folgenden Beiträgen Material vorgestellt, das ein ästhetisches Erleben der Inhalte aus dem Sachunterricht ermöglicht. Wie aus einem Baukasten, lassen sich daraus Musikstunden zusammenstellen. Besonders geeignet ist das Material für den Klassenlehrerunterricht: Lieber jeden Tag zehn Minuten Musik, als nur einmal in der Woche eine Stunde. Eine Ausnahme machen hier die Bewegungseinheiten, die einen größeren Raum und auch mehr Zeit erfordern. Im Vorfeld hier nun noch einige Anmerkungen zu den einzelnen Handlungsfeldern und Schwerpunkten.
Singen und Instrumentalspiel
Kinder singen gern, wenn sie in die Schule kommen. Und sie singen auch gern täglich. Tägliches Singen kann ein Ritual werden: Montags im Morgenkreis lernen die Kinder das „Lied der Woche kennen. Und über die Woche wird es täglich wiederholt, die weiteren Strophen gelernt, metrisches Begleiten mit dem Triangel eingeführt und vielleicht noch eine, kleine, leichte Instrumentalbegleitung, sodass die Kinder ganz nebenbei Instrumente kennenlernen, ihren Namen wissen und ihre Handhabung. Die Auswahl der Wochenlieder kann sich an den Jahreszeiten orientieren oder an aktuellen Unterrichtsthemen oder -situationen. Anregungen dazu finden Sie nicht nur in den drei herbstlichen Unterrichtsvorschlägen zum Anfangsunterricht, sondern auch im Artikel zum „Löwenmut von Kristina Gerdes, dem Beitrag von Maik Oyen zur Arbeit mit dem „Instrumente-Koffer, den „Regenzwerge Kanon von Andrea Hansen-Wille oder mit dem Lied „Langsam fällt jetzt Blatt für Blatt von Almuth Heinze.v
Gedichte rhythmisch sprechen
„Du leierst! das war immer der größte Kritikpunkt meiner eigenen Grundschullehrerin beim Aufsagen von Gedichten. Ein Gedicht sollte ausdrucksstark vorgetragen werden und auf keinem Fall sollte man sich von Rhythmus und Metrum wegschwemmen lassen. Ich möchte hier nun aber eine Lanze für das Leiern oder genauer: für das sehr rhythmische Sprechen brechen. Kinder mögen es sehr, kleine Gedichte und Reime auswendig zu lernen und aufzusagen, gern auch zu zweit oder zu dritt. Dabei sollen sie ganz akzentuiert sprechen und den Rhythmus und die Prosodie überbetonen. Denn: Kniereiter, rhythmische Fingerspiele, Kinderreime, Spiellieder wie viele Kinder erleben dies heute noch? Das lustvolle Erleben von Reim und Rhythmus ist unverzichtbar für kindliche Sprachentwicklung und das beste Aussprachetraining für Kinder mit nicht-deutscher Herkunftssprache. Erste kleine Kinderreime im ersten Schuljahr können der Beginn einer mitwachsenden Gedichte-Kartei sein. Die Kinder üben, zu rezitieren und zu deklamieren, später lernen sie, mit ihrer Gedichte-Kartei handlungs-und produktionsorientiert zu arbeiten und auch nicht zu leiern.
Sprache und Musik Verklanglichung und Rhythmical
Bei der Verklanglichung eines Textes müssen Kinder sich ihrer Umwelterfahrung, also dem Klang bestimmter Ereignisse, bewusst werden, diese verbalisieren, unter den Instrumenten wählen, welches für eine Imitation dieses Klanges geeignet sind und sich darüber mit ihren Mitschülern auseinandersetzen. Selbst eine ganz einfache, imitative Verklanglichung ist ein hochkomplexer Akt, der behutsam begleitet werden muss. Durch dieses erste Erfinden von Musik werden sehr viele musikalische Kompetenzen erlangt und die Motivation der Kinder ist riesengroß. Faszinierend ist immer wieder der Moment, wenn die stützende Sprache zurückgenommen wird, sodass der zu Grunde liegende Text „im Kopf mitläuft, jedoch nur noch die Musik zu hören ist. Auch beim Rhythmical ist dies das Endziel: das Instrument rhythmisch sicher spielen und nur noch im Kopf mitzusprechen. Während die große Suchbewegung bei der Verklang-lichung wichtigster Teil des Unterrichtes ist, kann man mit dem Rhythmical schneller in die Sprache und die rhythmische Umsetzung mit Instrumenten einsteigen. Und auch hier gilt: Jeden Tag ein paar Minuten bringt die Kinder schneller voran als eine einzelne Musikstunde in der Woche.
Musik und Bewegung
Die Motivation der Kinder ist immer sehr groß und die Notwendigkeit, von Beginn an klare Regeln einzuhalten, am größten. Elemente der Rhythmischen Bewegungserziehung/Rhythmik ermöglichen es den Kindern basale Erfahrungen der Bewegungs- und Tanzerziehung zu machen: Raumerfahrung, Orientierung, Achtsamkeit für die anderen. Sprache, Hören und soziales Miteinander verschränken sich miteinander. Allein die rasch hingeworfene Aufforderung „Verteilt euch mal im Raum! bewirkt im ersten Schuljahr zunächst einmal, dass die Kinder sich unter dem Flügel und unter dem Waschbecken verstecken oder ganz eng auf einem riesigen Mädels-Klumpen liegen. Einen Platz für sich allein finden und den auch wiederfinden, auf Musik zu reagieren und sie als Steuerung für die eigene Bewegung wahrzunehmen, musikalische Parameter hören und in Bewegung umsetzen all dies passiert bereits in den allerersten Tanzstunden. Hinweise und Tipps finden Sie im Beitrag „Alles auf Anfang auf Seite 20.
Musik hören
Musik hören bedeutet für die meisten Kinder bei Schuleintritt: (Kinder-)Hits hören, mitsingen und dazu tanzen. Das soll man auch auf jeden Fall weiter tun, denn es macht Spaß und viele Tanzspiele lassen sich zu aktueller Popmusik durchführen, und die sorgen dann auch für ordentlich viel Bewegung im Schulvormittag. Kinder wollen aktiv sein beim Musikhören und sicherlich nicht nur ehrfurchtsvoll zuhören. Dass aktives Musikhören aber noch viel mehr sein kann als Tanzen, nämlich auch Malen, Sprechen, Zuhören, Musizieren, Umgestalten, selbst Gestalten, erfahren viele Kinder jetzt in der Schule zum ersten Mal. Besonders programmatisch angelegte Musik, in der die Kinder eigene Umwelterfahrungen künstlerisch und stilisiert gestaltet wiedererkennen, eignen sich für den Anfangsunterricht. Aber auch absolute Musik, die aufgrund ihrer überschaubaren Länge (im ersten Schuljahr kann eine Minute Zuhören schon ganz schön fordernd sein) und ihrer durchschaubaren Struktur für Höranfänger gut zum „Durchhören ist. Dass man auch im Umgang mit Musik Freude haben kann, die schon uralt ist und noch nicht einmal im Viervierteltakt geschrieben wurde, zeigt der Beitrag von Georg Biegholdt zu Händels Menuett Nr. 2 aus der „Wassermusik.