Musiktheater in der GrundschuleVorhang auf! Musik, Bewegung und szenische Elemente auf die Bühne bringen

Dunkel im Saal. Gespannt wartet das Publikum. Gespannt warten auch die Akteure, die gleich auf die Bühne treten werden. Dann ist es soweit: Vorhang auf! Im Scheinwerferlicht singen, sprechen, musizieren, tanzen und spielen 25 Kinder in ganz unterschiedlichen Rollen – die einen bunt kostümiert, die anderen schwarz gekleidet, solistisch oder in der Gruppe agierend, die Handlung darstellend, ausschmückend oder untermalend.

Die Spannung steigt. Gleich präsentieren 25 Kinder, was sie in den letzten Wochen einstudiert haben: Musiktheater! © Adobe Stock Deyan Georgiev

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Alle sind aufs Äußerste konzentriert, gehen auf in ihrem Tun. Deutlich ist spürbar: Für viele Kinder ist es ein besonderer Moment, auf der Bühne zu stehen. Der Applaus belohnt für das große Engagement und die Freude darüber, dass er gleichermaßen allen zusammen wie jedem einzelnen gilt, ist groß.

Prozess und Ergebnis aus verschiedenen Perspektiven betrachtet

Für das Publikum ist eine Aufführung eine Momentaufnahme: eine Präsentation, die sich an die Zuschauenden richtet, Ohren und Augen anspricht. Für die Ausführenden ist sie weit mehr: Ziel und Ergebnis eines Schaffensprozesses, Anlass zum Rückblick und möglicherweise auch Anlass zum Ausblick auf ein weiteres Bühnenprojekt. Sowohl im Prozess der Erarbeitung und Gestaltung als auch in der Aufführungssituation selbst steckt einiges an Potenzial:

  • Wenn mit Musik, Bewegung und szenischen Elementen eine Aufführung gestaltet wird, gibt es verschiedene Aufgaben, unterschiedliche Rollen und damit Möglichkeiten zur Differenzierung und Individualisierung. Ein Rahmen, der einerseits Anhaltspunkte und Orientierung für den Weg zur Aufführung bietet und andererseits Gestaltungsspielraum lässt, ermöglicht jedem Kind, sich mit seinen persönlichen Voraussetzungen und Vorerfahrungen einzubringen. Die begeisterten Sängerinnen und Sänger wirken im Chor oder solistisch mit, wer ein Instrument spielt, begleitet die Lieder und übernimmt Zwischenspiele, für eine szenische Darstellung schlüpfen die Kinder in unterschiedliche Rollen und Bewegungsfreudige bringen in Tänzen Schwung auf die Bühne. Künstlerische und handwerkliche Talente sind beim Anfertigen von Kostümen, Requisiten und Bühnenbildern gefragt.
  • Beim Einüben all dessen, was auf der Bühne gesungen, musiziert, gesprochen, getanzt und gespielt wird, entwickeln die Kinder Kompetenzen in unterschiedlichen Dimensionen weiter – motorisch und kognitiv, affektiv und sozial. Der Lernprozess ist ganzheitlich, handlungs- und erfahrungsorientiert. Sich in unterschiedlicher Form selbst und in der Gruppe auszudrücken, sich selbst und in der Interaktion mit anderen zu erleben haben für die Persönlichkeitsentwicklung ebenso Bedeutung wie für die soziale Interaktion.
  • Eine in Aussicht gestellte Aufführung wirkt als Antrieb und Anreiz, sorgt bei den Akteuren für besondere Motivation. Da kann es gut sein, dass Kinder ihre bisherigen Grenzen überschreiten – mit Blick auf Kreativität, Konzentration und hinsichtlich ihrer Anstrengungsbereitschaft. Was könnte bestärkender sein als der Beifall des Publikums und die Erfahrung „Wir haben es gemeinsam geschafft!“?
  • Nicht nur die Kinder entdecken neue Potenziale und Interessen, wenn eine musikalische Präsentation erarbeitet wird. Auch für Eltern gibt es vielfach Neues zu entdecken – auf der Bühne erleben sie ihre Kinder aus einer Perspektive, die sie üblicherweise nicht einnehmen.
  • Eine Aufführung, in der eine Vielfalt an Möglichkeiten des Mitwirkens auf unterschiedlichen Niveaus gefragt sind, und der Weg dorthin bieten besonderes Potenzial im Kontext von Heterogenität und Inklusion. Das vor einem halben Jahr in Deutschland angekommene Mädchen mit nicht deutscher Muttersprache übt hoch motiviert seine kurzen Sprechpassagen und ist stolz darauf, die neu erworbenen Deutschkenntnisse dem Publikum zu präsentieren. Kinder mit Konzentrationsschwierigkeiten schaffen es, sich eine Abfolge an Tönen zu merken und am Stabspiel als Begleit-Ostinato auszuführen. Der eher zurückgezogene Junge entwickelt mehr und mehr Freude, mit anderen in Interaktion zu treten.

 

Aufführungsanlässe und Spielanregungen

Ein Schuljahr bietet zahlreiche Gelegenheiten, um etwas aufzuführen: von der Begrüßung der Schulanfänger bis zur Abschiedsfeier am Ende der Grundschulzeit, jahreszeitliche Feste, Jubiläen, Projekttage und -wochen. Dabei kann eine Aufführung ganz unterschiedliche Dimensionen annehmen, die von der Präsentation von Spiel- und Tanzliedern im Klassenzimmer für die Parallelklasse oder für eine Gruppe der benachbarten Kindertagesstätte bis hin zur großen Aufführung in der Aula für die ganze Schule, Eltern und Gäste reicht. Der Aufwand muss nicht unbedingt groß sein. Aus einer Kiste alter Kleider und ein paar Requisiten – ein langes dunkelblaues Kleid, ein roter Stuhl, ein gelber Regenschirm – lassen sich phantasievolle Szenen zaubern. Wenn sich Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Fächern einbringen, kann Expertise genutzt und das interdisziplinäre Moment einer musikalisch-szenischen Gestaltung verstärkt zum Ausdruck gebracht werden.

Und was wird auf der Bühne präsentiert? Um das aufzugreifen und in den Gestaltungsprozess einzubeziehen, was die Kinder an Möglichkeiten mitbringen, bietet sich eine Vorgehensweise an, wie sie im Rahmen von Elementarem Musiktheater praktiziert wird (vgl. Widmer 2004): Auf der Grundlage einer Geschichte oder eines Märchens, ausgehend von einem Gedicht oder einer Thematik entsteht im Laufe des Prozesses eine eigene Spielvorlage. Lieder und Sprechstücke lassen sich ebenso einbringen wie Improvisationen mit der Stimme, und mit Instrumenten, Bodypercussion und anderen Klangerzeugern werden gemeinsam Begleitformen ausprobiert, weiterentwickelt und geprobt. Wer lieber auf „vorgedachte“ Spielstücke zurückgreift, kann aus einem immer größer werdenden Angebot an Musiktheaterstücken und Mini-Musicals auswählen. Und diejenigen, die Aufführungsideen zu einem Themenbereich aufgreifen und gerne möglichst flexibel ein- und umsetzen möchten, werden in Grundschule Musik EXTRA: Auftritt! [LINK: https://www.friedrich-verlag.de/shop/grundschule/musik/grundschule-musik-extra] fündig. Jede Ausgabe des zweimal pro Jahr erscheinenden Hefts enthält drei Bühnenbausteine mit Vorschlägen zur Erarbeitung und Gestaltung von Liedern, Sprechstücken und Tänzen, die sich kombinieren, variieren und durch eigene Ideen ergänzen lassen.

Egal, ob improvisatorische Elemente in die Aufführung eingeplant sind oder nicht: Auf der Bühne darf immer ein bisschen improvisiert werden, eine Präsentation lebt vom Moment!

Literatur

Widmer, M. (2004). Spring ins Spiel. Elementares Musiktheater mit schulischen und außerschulischen Gruppen. Ein Handbuch. Boppard am Rhein: Fidula.

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