Chancen sozialen Netzwerkens„Nie hat man so schnell Hilfe und Unterstützung zu genau der Fragestellung, die einen gerade umtreibt“

Eine Menge wurde in den vergangenen Monaten über den sogenannten „Digitalpakt“ der Bundesregierung geschrieben und gestritten. Mit ihm soll digitale Technik flächendeckend in Schulen und Klassenräume gelangen. Für so manche Lehrkraft ist allerdings nicht die prominent diskutierte Neuausstattung wichtigster technischer Fortschritt. Vielmehr spielt die Möglichkeit, digitale Medien zum planerischen Austausch unter Gleichgesinnten zu nutzen, schon seit Jahren eine Rolle, um Herausforderungen des Unterrichtens gestärkt zu begegnen.

Hilfe aus ganz Deutschland

Unbegrenzter Austausch schafft Möglichkeiten © Maren Sauer unter Verwendung von 3dman_eu/pixabay.com

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„Treffpunkte“ Online
Online lassen sich mit wenigen „Klicks“ mühelos unterschiedliche Unterstützungsangebote für Lehrerinnen und Lehrer finden: Webportale, auf denen Unterrichtsentwürfe und -materialien günstig verkauft oder kostenlos zur Verfügung gestellt, ausgetauscht oder nachgefragt werden. In entsprechenden Foren besteht Raum für Fragen und Hilfestellungen, können ‚Tipps und Tricks‘, Sorgen und Ängste besprochen werden.
Der Zugang ist in der Regel geradezu ‚barrierefrei‘, denn er erfolgt nur über die Angabe einer E-Mail-Adresse, um ein „Benutzerkonto“ anzulegen. Lehrende aller Fächer und Schulformen scheinen sich am Austausch zu beteiligen, der so über neue Entfernungen und in neuen Geschwindigkeiten zustande kommt.

Kritische Ausgangslage von Musikunterricht
Lehrkräfte, die an Grundschulen Musik unterrichten, stehen nun vor besonderen Schwierigkeiten. Während die Öffentlichkeit über Quereinsteiger klagt, die aufgrund des Lehrermangels in einigen Fächern ohne nennenswerte pädagogische Ausbildung an Schulen gerufen werden, hat eine ähnliche Situation im Fach Musik geradezu Tradition: „In der Grundschule, derjenigen Schulform, die alle Kinder durchlaufen, in der sie sich in einem entwicklungspsychologisch besonders relevanten Alter befinden und in der darüber hinaus für alle Kinder durchgängig Musikunterricht im Stundenplan steht, wird der Musikunterricht in der Regel fachfremd erteilt. ‚Etwa 80 %‘ lautet seit vielen Jahren der bundesweit angenommene Anteil fachfremden Musikunterrichts in der Grundschule.“ (Lina Hammel: „Selbstkonzepte fachfremd unterrichtender Musiklehrerinnen und Musiklehrer an Grundschulen“, Berlin 2011, S. 15)
Lehrerinnen und Lehrer, die vielleicht eben einmal ein paar Fortbildungen im Bereich der Musikpädagogik vorweisen können, sollen mit Lerngruppen beispielsweise singen, musizieren, Instrumenten- und Werkkunde betreiben oder erste musikalische Parameter einführen – denn das ist der Anspruch eines grundständigen Musikunterrichts.

Dies ist eine Lage, in der man keinem wünscht, alleine dazustehen.

 

Netzwerken bietet Chancen - „Ideen für den Musikunterricht“

So ist auch seitens der Musiklehrkräfte eine Tendenz zu erkennen, digitale Potenziale des Austauschs zu nutzen. Neben der Beteiligung an Portalen wie „4teachers“ oder dem speziellen „Forum Musikpädagogik“ stießen wir auf eine ausgesprochen rege Gruppierung im inzwischen geradezu klassischen Netzwerk Facebook: „Ideen für den Musikunterricht an der Grundschule“. Sie besteht dort seit mehr als sechs Jahren und hat inzwischen über 8 000 Mitglieder.

„Der Zuspruch ist nach wie vor groß. Wir haben nahezu täglich Anfragen von interessierten Lehrern. Allerdings beteiligen sich nur wenige aktiv am Geschehen und beantworten die Fragen, die von Kollegen gestellt werden. Doch glaube ich, dass das in allen Gruppen bei Facebook so ist. Überall gibt es den ‚harten Kern‘‘, so Frau Gimbel, eine der Administratorinnen – die virtuelle Form von Gruppenleitung –, die wir zu Sinn und Dynamik der Initiative befragen durften. „So wie ich das mitbekomme, suchen in erster Linie fachfremd unterrichtende Unterstützung. Meist sind das Kollegen, die das Fach Musik von der Schulleitung aus der Not heraus zugewiesen bekommen haben. Aber auch pädagogische Fachkräfte, die außerhalb der Schule tätig sind, möchten gerne in die Gruppe aufgenommen werden.“

Viele Lehrende bitten dort im Forum um thematische oder Klassenstufen orientierte Liedideen, benötigen methodische Ratschläge, suchen Literatur oder Playbacks. Auffällig ist, wie schnell die Hilfegesuche beantwortet werden. „Ich denke, eine Gruppe mit über 8000 Mitgliedern ist schon eine andere Dimension. Meist gibt es an Schulen höchstens zwei studierte Musiklehrkräfte (wenn überhaupt). Da hat so eine große Gruppe ganz andere Synergieeffekte. Es geht auch um Zeit. Nie hat man so schnell Hilfe und Unterstützung zu genau der Fragestellung, die einen gerade umtreibt, wie in diesen Gruppen.“

Gelegentliche Sammelposts der Admins, also Aufrufe zu einem Thema wie Winter, Ferien oder Abschied, bündeln den Ideen- und Erfahrungsschatz aller bereitwillig Beteiligten, sodass jedes Mitglied bei Bedarf stets auf das Gemeinsame zurückgreifen kann. So hat der Austausch eine durch und durch pragmatische Ausrichtung.

Ein interessanter Zusatzaspekt ist auch die Verkopplung mit Außenstehenden. Kooperationsprojekte, in denen  professionelle Musiker oder selbstständige Musikpädagogen in Grundschulen gehen, sind keine Seltenheit mehr, doch im Netzwerk besagter Gruppe entsteht ein andauernd offener Raum zum Gespräch mit einigen Liedermachern, die ihre neuen Produkte präsentieren und einzelne Proben kostenlos zur Verfügung stellen.

 

Fazit

Wie andere Fächer muss sich auch der Musikunterricht ständig erneuern – oder zumindest Bereitschaft erkennen lassen, traditionelles Liedgut um Kinderlieder zu erweitern, die aktuelle Themen in aktueller Sprache aufgreifen, oder manchen „Song“, der die Schülerinnen und Schüler heute in ihrer Lebenswelt abholt. Beschleunigte und perspektivenreichere Kommunikation über die Möglichkeiten dies im Unterricht aufzugreifen in digitalen Formaten stellt für Lehrerinnen und Lehrer in jedem Fall ein Potenzial da, dem gerecht zu werden; ob mit oder ohne Fachausbildung.


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