Komponist Peter TschaikowskyTschaikowsky und sein „Nussknacker“

Wer weiß schon, was sich hinter einer Holzfigur wie dem Nussknacker verbergen kann, wenn man sie mit Kinderaugen sieht? Klara jedenfalls hat Mitleid mit ihm, als ihr Bruder Franz mit ihm eine besonders große Nuss knacken will und dabei ein Stück zerbricht. Mitfühlend legt sie ihn zu Bett und erlebt ein großes Abenteuer, denn nebst dem hell erleuchteten Weihnachtsbaum sieht sie, wie der Baumschmuck, die Spielsachen und Lebkuchenfiguren lebendig werden – und natürlich auch ihr Nussknacker.

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Als Peter (russ. Pjotr) Tschaikowsky noch keine fünf Jahre alt war, brachte sein Vater ein kleines Klavier aus Petersburg mit. Der sensible Junge spielte gern und fand schnell kleine Melodien, obwohl Musik in der Familie keine große Rolle spielte. Er schrieb auch schon als Kind kleine Gedichte, weshalb er von seiner Gouvernante Fanny Dürbach „der kleine Puschkin“ genannt wurde. Doch wie es zu jeder Zeit nun einmal ist, wollten seine Eltern, dass er eine Karriere als Beamter anstrebte. Und so machten seine Klavierstunden bei Rudolf Kündinger zunächst nur den schönen und kreativen Gegenpol des „echten Lebens“ aus. Schon mit zehn Jahren wurde er auf die Rechtsschule in Sankt Petersburg geschickt und nahm schließlich mit 19 eine Stelle im Justizministerium an.

Musik, das ist es!

Doch schon mit 21 Jahren wusste Peter, dass er ein solches Leben nicht wollte, schmiss seinen Job hin und studierte fortan Musik am Stankt Petersburger Konservatorium. Natürlich war die Familie davon alles andere als begeistert, und sein Onkel schimpfte: „Dieser nichtsnutzige Peter! Nun hat er die Jurisprudenz mit dem Dudelsack vertauscht!“ – Wenige Jahre später wusste er alles, was man als gebildeter Musiker wissen musste. Doch zu seiner Abschlussprüfung 1865 traute sich der scheue junge Mann zunächst nicht zu seinem mündlichen Examen, das damals öffentlich war. Wie zu jeder Zeit, gab ein solches Verhalten schon damals Anlass für Spott und Hohn. Doch er fand auch Menschen, die ihm Mut machten (in diesem Fall war es der Kritiker Herman Augustovich Laroche), und so absolvierte er kurze Zeit später sein Examen doch noch.

Zwischen Selbstzweifeln und Erfolg

Sein Leben lang machten ihm Selbstzweifel zu schaffen, trotzdem er mit seinen Werken viele Erfolge feiern konnte. So war es dann auch mit dem „Nussknacker“. Er hielt sein Ballett für sehr viel schlechter als „Dornröschen“ und schrieb in diesem Zusammenhang an seinen Neffen Wladimir Dawidow: „Wenn ich die Überzeugung gewinnen sollte, dass ich auf meinen musikalischen Tisch nur Aufgewärmtes hinsetzen kann, so werde ich mit dem Komponieren aufhören.“ (25. Juni 1891)

Noch während er die Ballettmusik orchestrierte, schrieb er die Suite im Januar und Februar des Jahres 1892, die am 19. März 1892 uraufgeführt wurde – übrigens als Ersatz für seine sinfonische Ballade „Voevoda“ (Der Woiwode), die er für nicht gut genug hielt. Das Publikum war so begeistert, dass die meisten Sätze der Suite wiederholt wurden. Übrigens besuchte Tschaikowsky ein Jahr zuvor Paris und lernte ein völlig neues Instrument kennen: die Celesta (ital. die Himmlische). Sie sieht aus wie ein Klavier, wird gespielt wie ein Klavier, hat aber keine Saiten, sondern Metallplättchen, die von Filzhämmerchen angeschlagen werden und klingt wie ein Himmel voller Glockenspiele. Tschaikowsky war von „seinem göttlich schönen Klang“ begeistert, wie er in einem Brief an Petr Jurgenson am 15. Juni 1891 schrieb, und wollte es als allererster Komponist in Russland vorstellen, was ihm auch gelungen ist.

Erfolgreiche Suite und Choreografie mit Macken

Anders sah es bei der Ballett-Uraufführung aus, die am 18. Dezember desselben Jahres im Mariinski-Theater in Sankt Petersburg stattfand. Und das kam so: Der berühmte Ballettmeister dieses Theaters, Marius Petipa, schuf das Libretto zu Alexandre Dumas‘ Version von E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Nussknacker und Mausekönig“ und wollte auch die Choreografie auf die Beine stellen, wie er es übrigens auch bereits für Tschaikowskys Ballett „Dornröschen“ zwei Jahre zuvor sehr erfolgreich getan hatte. Doch wurde der damals schon 81jährige krank, und so übernahm diese Aufgabe sein Assistent, Lew Iwanow. Ein paar Tage vor der Aufführung schrieb Tschaikowsky an seinen jüngeren Bruder Anatol: „Die Ausstattung beider Werke (seine einaktige Oper „Yolande“ wurde an diesem Tag ebenfalls uraufgeführt) war prachtvoll, im Ballett sogar allzu prachtvoll, die Augen ermüdeten von diesem Glanz.“ Vielleicht war ja eine gewisse Übereifrigkeit des Ballettmeister-Assistenten der Grund, warum das Ballett an diesem Tag beim Publikum einfach nicht ankommen wollte?

Heute jedenfalls gehören die Suite, das Ballett und die Verfilmungen fast schon zum vorweihnachtlichen „Pflichtprogramm“, deren Geschichte und Musik nach wie vor Kinder und Erwachsene verzaubert und zu eigenen Interpretationen einlädt.

Anm.: Hier wurden die Daten nach dem gregorianischen Kalender benannt. Dem julianischen folgend, lägen diese Daten 13 Tage früher.

 

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