Von Rock’n’Roll bis RockRockmusik in der Grundschule

In der Grundschulzeit beginnen die meisten Kinder damit, ihren eigenen Musikgeschmack zu finden und sich damit aktiv auseinanderzusetzen. Pop- und Rockmusik spielen eine bevorzugte Rolle. Sie ist in unserem Alltag inzwischen seit mehreren Generationen allgegenwärtig. Doch zu welcher Zeit entstand der Rock'n'Roll und wie entwickelte sich die Rockmusik bis heute?

In vielen Grundschulen entstehen Schüler- und Schülerinnenbands

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Für viele Musikjournalisten und -wissenschaftler ist die Geburtsstunde der modernen Popmusik der 12. April 1954. An diesem Tag nahmen in den Decca-Studios New York Bill Haley & His Comets den Song „Rock Around The Clock” auf, der ein Jahr später angefeuert durch den Einsatz im Film „Die Saat der Gewalt” den weltweiten Siegeszuges des Rock’n’ Roll einläutete. Wie kaum eine andere Musikrichtung im 20. Jahrhundert hat die Rockmusik den Alltag der Menschen beeinflusst und begleitet. Oft diente sie als Soundtrack für Jugendbewegungen und gesellschaftliche Revolutionen, wie z. B. „Street Fighting Man” der Rolling Stones für die 1968er-Generation, „Anarchy In The UK” der Sex Pistols für die Punkkultur oder „Smells Like Teen Spirit” von Nirvana für die Generation X. Immer wieder schafften es die Protagonisten der Rockmusik und ihre Anhänger, Staat, Gesellschaft und Kirche zu provozieren und Debatten über Werte, Normen und Haltungen anzustoßen.

 

Elektrizität und Medien

Aber wie kommt es, dass die Rockmusik eine solche Kraft entwickeln konnte? In den westlichen Gesellschaften der Nachkriegszeit sind die Jugendlichen immer wichtiger geworden. Erstmals sind sie als eigene Altersgruppe in den Mittelpunkt des Interesses der Medien und Unternehmen gerückt, die ihre eigenen Bedürfnisse nach Mode, Musik und Unterhaltung haben. Hinzu kommen die aufstrebenden Massenmedien Radio und Fernsehen. Sie sind der Katalysator dafür, dass Millionen Menschen auch über Landesgrenzen hinweg erreicht werden können. Eine weitere Voraussetzung für die enorme Wirkung des Rock‘n‘ Roll ist die elektrische Verstärkung der Instrumente und die Entwicklung der Bühnentechnik, durch die es möglich geworden ist, auch große Hallen und Stadien zu beschallen.

 

Entwicklung der Rockmusik

Formal hat die Rockmusik in den letzten 65 Jahren viele Häutungen erlebt, Einflüsse aufgenommen und Entwicklungen durchgemacht, deshalb ist es nicht möglich, eindeutige formale Kriterien für Rock zu definieren.

Der Begriff „rocking and rolling” stammt ursprünglich aus der Seefahrt und beschreibt das auf und ab und das seitlich Schaukeln eines Schiffes im Sturm. Er wurde aber auch als Slangbegriff und Umschreibung für anrüchige und sexuelle Bewegungen benutzt.

Die musikalischen ­Wurzeln des Rock’n’ Roll liegen im Rhythm‘n‘Blues(z. B. Bo Diddley und Chuck Berry), Boogie Woogie (z. B. Champion Jack Dupree) und in der Country und Western Musik (z. B. Eddie Cochran und Buddy Holly), was vor allem am 12-taktigem Blues-Schema und der aus dem Boogie Woogie stammenden Basslinie zu erkennen ist. Das Besondere am Rock‘n‘ Roll ist der starke 4/4-Rhythmus mit deutlichem Backbeat und die eher kleinen Bandformationen mit Gesang, Gitarre, Bass und Schlagzeug (selbst nur zwei Musiker, wie zum Beispiel die White Stripes können schon mächtig rocken). Manchmal werden auch andere Instrumente, wie Piano, Orgel oder Saxofon in den Mittelpunkt gestellt.

 

Die Anziehungskraft

Der Sänger steht meist wie ein Zeremonienmeister in seinem besonderen Outfit auf der Bühne (z. B. Mick Jagger) und animiert sein Publikum durch Schreien, Flüstern, Wimmern oder Tanzen. Ähnlich ausdrucksstark agieren die anderen Musiker z. B. Angus Young von ACDC an der Gitarre oder Keith Moon von The Who an den Drums, der auch Vorbild für das Tier aus der Muppet-Show war. Bei Konzerten geht es nicht nur um die Musik, sondern auch um die Show. Es entsteht eine besondere Energie, die durch Kostüme, Licht und pyrotechnische Effekte, wie bei Rammstein, das Publikum Teil eines einzigartigen Spektakels werden lässt. Dies allein erklärt aber noch nicht die große Anziehungskraft der Rockmusik. Worin liegt also ihre Kraft?

Einerseits ist es die Performance, die Darstellung der Musik auf der Bühne. Als Elvis Presley das erste Mal seinen Hüftschwung zeigte oder die Beatles ihre langen Haare schüttelten, waren weltweit Millionen Menschen an den Fernsehern dabei. Dies elektrisierte besonders junge Menschen, die sich erstmals als Jugendliche begriffen und von den Erwachsenen abgrenzen konnten und wollten.

Andererseits sind es die Inhalte und Einstellungen, die in den Texten transportiert werden. Sex, Drugs and Rock‘n‘ Roll sprechen den Rebellen an, der wohl auch in jedem von uns lebt. Oft trauen sich die Rocker, Themen anzusprechen und laut in die Welt zu schreien, bei denen man selbst nicht den Mut findet. Freiheit, Außenseitertum, Individualität und Nonkonformität sind oft die Essenz der textlichen Inhalte des Rocks und entwickeln bei den Hörern oft ein Gefühl des Verstanden-Werdens. Besonders deutlich lässt sich das zum Beispiel in einigen Texten der DDR-Rockmusik erkennen, die aufgrund der DDR-Zensur eine sehr bildhafte Sprache entwickeln mussten, um z. B. über Freiheit (z. B. „Albatross“ von Karat) oder die Mauer zu singen (z. B. „Wand an Wand“ von City).

Rockmusik hat dabei in den letzten 65 Jahren eine Vielzahl von Entwicklungen durchlaufen. Die Anfänge lagen in den 1950er-Jahren im Rock‘n‘ Roll (z. B. Elvis Presley, Chuck Berry), der in den 1960ern den britischen Beat beeinflusste (z. B. Beatles, Rolling Stones). In den USA entwickelte sich der Psychedelic Rock mit Bands wie den Doors oder Grateful Dead. Weitere neue Stile in der Rockmusik waren in den 1970ern.

Art-und Progressiv Rock (z. B. Yes, Genesis), Hard Rock (z. B. Led Zeppelin, Deep Purple) und Heavy Metal (z. B. Judas Priest, Black Sabbath), Punk (z. B. Ramones, The Clash) und New Wave (z. B. The Cure, Joy Division). Die 1980er brachten Indie Rock (z. B. Pixies, R.E.M.) und die 1990er-Jahre Grunge (z. B. Nirvana, Pearl Jam). Und es fehlen bestimmt noch zig andere Stile und Einflüsse. Dies zeigt die unglaubliche Bandbreite der Rockmusik, deren Entwicklung in den letzten zehn Jahren allerdings stagniert. Momentan scheinen Musikstile wie HipHop oder Elektro bei jungen Musikern die interessantere und spannendere Ausdrucksform zu sein. Aber trotz dieser Entwicklung haben sich im Rahmen der Rockmusik Subkulturen gebildet, die heute noch Bestand haben. Sie haben in den Bereichen Mode, Tanz, Sprache und Attitüde ganz eigene, sehr vielfältige Ausdrucksformen hervorgebracht. Allein für Heavy Metal kann man ein ganzes Lexikon mit Ausdrucksformen und Stilen füllen.

Die Rockmusik hat zwar ihren kulturellen Zenit überschritten, sie ist aber trotzdem der bestimmende Musikstil der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und bietet unzählige Möglichkeiten, sich damit zu beschäftigen.

 

Kinder und Rockmusik

Die Wirkung von Rockmusik auf Kinder ist sicher eben so groß, wie auf Jugendliche und Erwachsene. Sie hotten zu einem Rock‘n‘ Roll von Elvis und lassen sich von Queens “We will rock you“ zum Stampfen und Klatschen animieren. Dabei spielen die teilweise zweideutigen oder direkt skandalösen Inhalte auf Grund des Sprachverständnisses eher keine Rolle. Vielmehr begeistert Kinder der vorwärtstreibende Rhythmus und die ihren Hörgewohnheiten entsprechende Instrumentierung. Längst ist die Rockmusik ebenso wie der Rap mitten in der Gesellschaft angekommen. Rockklassiker laufen täglich im Mainstream-Radio und Elemente dieser Musik haben sogar Eingang in Schlager- und Volksmusik gefunden. Heute ist es kaum vorstellbar, dass die Damen reihenweise zur Musik von Elvis oder der Beatles in Ohnmacht fielen.

Für den Musikunterricht bietet Rock- und Popmusik für Grundschüler einen motivierenden Einstieg in das Klassenmusizieren mit elektrischen Instrumenten bis zum Tanz. Sie finden viele unterrichtspraktische Beiträge im Heft:

Grundschule Musik Nr. 89 – Das rockt!

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