Sprachförderung mit MusikIm Land der roten Töne

Wie kann man in sprachlich heterogenen Klassen Sprachförderung mit Musik verknüpfen? Diese Frage stellte sich Birgit Jeschonneck. Sie bereitete dazu das Bilderbuch „Paulas Reisen“ zur sprachlichen Förderung auf und verknüpfte es mit musikalischen Schwerpunkten. Durch die Verbindung von Text und Bild kann Sprachverstehen nonverbal und visuell aufgenommen werden. Musik verbindet Kinder und ermöglicht eine sofortige positive Teilhabe.

Sprachförderung durch Musik

Sprachförderung mit Musik und Bilderbuch Foto: Birgit Jeschonneck

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Paul Maars Bilderbuch „Paulas Reisen“ eignet sich gut für den Sprachunterricht. Es regt die Fantasie und zum Nachdenken an, wenn Paula in verschiedene Traumwelten eintaucht – seien sie eckig, rund, rot oder überkopf – und emanzipatorische Wege findet, wieder herauszufinden. Im Folgenden werden Unterrichtsideen zur Sprachförderung mit Musik aus dem Kapitel „Im Land der roten Töne“ gezeigt.

Hier ist wirklich alles rot

Von Königin Rosalind sieht man im Bilderbuch (S. 21) nur die rosa Schühchen, ein Stück rotes Kleid und einen rosafarbenen Handschuh sowie ein gemaltes Bild. Ihr jubeln begeisterte, fähnchenschwingende rote Gestalten zu. ­Alles wird von der Farbenpolizei in roten Feuerwehrautos gut bewacht. Zwei rotverkleidete (grüne!) Gurken werden von der roten Menge entdeckt. Das wird nicht gut enden. Was diesen beiden widerfahren wird, kann sich der Betrachter schon denken. Auch in diesem Land wird man „erfasst und der Gegend angepasst“. So auch Paula: Ihre Schlafanzugstreifen werden rot angestrichen, sie bekommt rote Strähnchen ins Haar und eine rote Farbtube malt ihr ein Clownsgesicht. Sie betrachtet sich traurig im Spiegel. Doch schafft sie es auch hier und kann in einem Teich aus roter Farbe entfliehen.

Unterrichtsideen zu Sprachförderung mit Musik

Der sprachliche Schwerpunkt liegt auf dem Wortfeld „Kleidung“, auf Satzstrukturen mit einem zweiteiligen Verb und auf der Kongruenz in der Nominalphrase.

Unser Klassenzimmer wird rot und wir singen ein rotes Lied

Der Klassenraum wird vorbereitet: Rote Krepppapierbahnen und Transparentpapiere an den Fenstern lassen ein rötliches Licht in die Klasse. Auf den Tischen liegen rote Tischdecken, in der Sitzecke gibt es rote Kissen und einen großen Koffer oder Korb mit roten Kleidungsstücken. Die Kinder wissen sofort, in welchem Land sie sich an diesem Tag befinden. Die Kleidungsstücke üben einen großen Reiz aus. Sie setzen sich im Kreis um den Korb. Jetzt passt das Lied „Grün, grün, grün …  (mit umgedichteter „roter“ Strophe) besonders gut:

Rot, rot, rot sind alle meine Kleider.

Rot, rot, rot ist alles, was ich mag.

Darum lieb ich, alles, was so rot ist,

rote Kleidung trag ich jeden Tag.

Das erste Kind wählt ein Kleidungsstück aus und sagt: „Ich ziehe eine rote Schürze an.“ Dann wendet es sich einem Nachbarkind zu und fragt sie: „Was ziehst du an?“ Es antwortet: „Ich ziehe eine rote Mütze auf.“ Und fragt weiter: „Was ziehst du an?“ „Ich ziehe eine rote Jacke an. Und was ziehst du an?“ usw. Nachdem vier bis fünf Kinder so gefragt und geantwortet haben, wird das Lied wiederholt, dann geht es weiter mit dem Einkleiden, bis alle Kinder etwas Rotes angezogen haben. Die Kinder üben die vorgegebenen Satzstrukturen nicht beim Singen, sondern sprechen diese als Zwischentexte zwischen dem Singen. Sie sind mit dem Verkleiden bzw. Anziehen verbunden und lassen die Kinder die Verbklammer üben. Die Schüler erweitern ihren Kleidungswortschatz um unbekannte Wörter wie „Schürze“ oder „Weste“. Sie lernen den Unterschied zwischen einem Hut und einer Mütze, zwischen einer Socke und einem Strumpf kennen. Später kann das Auskleiden ähnlich gestaltet werden: „Ich habe jetzt keine rote Weste mehr an.“ / „Ich habe jetzt keinen roten Pulli mehr an.“


 

Sprachförderung mit Musik zu Paulas Reisen

Das Bilderbuch „Paulas Reisen“ mit der wunderbar erzählten Geschichte von Paul Maar und den fantasievollen Illustrationen von Eva Muggenthaler lädt Kinder zum Betrachten und Verweilen, aber auch zum Darüber-Sprechen, sich Austauschen und Fantasieren ein.


Sprachförderung mit Musik
zu "Paulas Reisen"

 


Jetzte kann eine Fotosafari auf der Suche nach roten Dingen in der Klasse, im Schulhaus und auf dem Schulhof stattfinden. Die Kinder gehen mit Kameras los, mit dem Ziel, viele rote Dinge zu entdecken und zu fotografieren. Wenn ein Kind sein rotes Lieblingsding entdeckt hat, wird ihm der korrekte Name mit bestimmtem Artikel dazu genannt: „Das ist die rote Mütze“.  Rot ist im frühen Grundschulalter eine der Lieblingsfarben, und es fällt vielen Kindern auch leicht, rote Gegenstände, Tiere und Nahrungsmittel aufzuzählen.

Zusätzlich wird ein Sprachspiel hinzugefügt. Dabei nennt jedes Kind etwas Rotes mit unbestimmtem Artikel (das Sprachspiel kann zunächst auch mit dem bestimmten Artikel durchgeführt werden): Ein Kind hat eine Triangel und ist der Spielleiter. Nach dem Singen des Liedes schaut das Kind ein anderes Kind an und spielt den Ton. Dieses Kind sagt: „Rot wie ein Radiergummi.“ Dann wird das nächste Kind angeschaut und erhält seinen Startklang mit der Triangel: „Rot wie eine Paprika.“ Nach vier bis fünf Sätzen von verschiedenen Kindern wird das Lied erneut gesungen. Danach bearbeiten die Kinder ein Arbeitsblatt „rot wie …“ mithilfe ihrer Schreibtabelle oder einem/r Pilotsprecher/in (Vorsprecher eines Textes).

Wir schreiben rote Gedichte

Die Liedzeile „rot wie …“ wird noch einmal aufgegriffen. Als Vorbereitung zum Schreiben eines eigenen Gedichtes schreiben die Kinder alle roten Dinge und Tiere auf, die sie kennen. Hieraus wählen sie drei Lieblingswörter aus und schreiben sie in die drei leeren Zeilen des roten Gedichtes. Leistungsstarke Kinder können auch ein rotes Rondell schreiben (siehe Abbildung).

Wir tanzen im Land der roten Töne

Dies ist ein einfaches Tanzspiel, das auch unter dem Namen „Freunde suchen“ oder „Tanz der Moleküle“ bekannt ist. Jedes Kind erhält ein rotes Chiffontuch oder einen roten Stoffstreifen als Bewegungsmaterial. Alle verteilen sich gleichmäßig im Raum. Zur Musik (etwas Feuriges, z. B. ein Tango, Salsa oder Merengue oder „Der rote Tanz“ Nr. 11) bewegt sich jetzt jedes Kind so, wie es mag. Es gilt die Regel: Man bleibt für sich und hält einen ausreichenden Abstand zu den anderen Kindern ein (sog. Wahrnehmung des „Tanzraumes“), dieser entspricht den ausgestreckten Armen. Dann trommelt die Lehrkraft vier Schläge. Jetzt finden sich immer vier Kinder zusammen und tanzen gemeinsam (ohne sich dabei anzufassen), bis ein einzelner Trommelschlag die Gruppierung auflöst und jedes Kind wieder für sich allein tanzt.

 

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