Musik und KunstWie man Musik und Kunst miteinander verbinden kann

Wer an das Thema „Kunst im Musikunterricht“ denkt, dem fallen vermutlich zuerst Ideen zum „Malen nach Musik“ ein. Doch die Berührungen, Überschneidungen und Parallelen, die beide Künste miteinander verbinden und die Möglichkeiten, sich mit ihnen im Unterricht zu beschäftigen, sind weit größer.

Malen nach Musik: Rosenwind

Malen nach Musik: Rosenwind Foto: Birgit Jeschonneck

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Die beiden KünsteMusik und bildende Kunsthaben viele Berührungspunkte, die interessante Gestaltungsmöglichkeiten für den Unterricht der Grundschule bieten und das Hören und Sehen zu einer intensiven Erfahrung machen. Neben den eigenen kreativen Ausdruckmöglichkeiten der Kinder, fördert es ihre Konzentration, auditive und visuelle Wahrnehmung und motorische Fähigkeiten.

Wenn wir ein Bild betrachten, richtet sich unsere Aufmerksamkeit auf das Ganze als Erscheinung: Ein Bild ist im Raum anwesend, wir können mit unseren Augen durch das Bild wandern, bei einzelnen Momenten länger oder kürzer verweilen oder auch zwischen einzelnen Bildelementen hin und her springen. Die bildende Kunst ist sichtbar, sie ist eine Raumkunst. Musik ist hingegen flüchtig. Sie verläuft in der Zeit und ist der Vergänglichkeit unterworfen – ein „parfümiertes Schnupftuch“, so hat sie der Philosoph Immanuel Kant einmal respektlos benannt. Oft hatte er sich darüber geärgert, dass ihn Musik bei der Arbeit störte, er nicht einfach die Ohren schließen konnte. Im Notentext lässt sich nur ihr Knochengerüst festhalten. „Ihr Ort ist ihr Vorübergehen“, so sagt es der Komponist Wolfgang Rihm. Rede ich über Musik, dann ist sie schon verklungen. Gespräche über Musik sind immer Erinnerungsgespräche, das macht es manchmal so schwierig.

Bilder sind Erinnerungsfäden

Weil Musik eine flüchtige Kunst ist, fällt es so schwer, über Musik zu sprechen. Eine Visualisierung in Form einer grafischen Partitur intensiviert das Hören und erleichtert zugleich die Verständigung darüber. Das angefertigte Bild besitzt Erinnerungswert in Bezug auf das Gehörte. Musik, die flüchtig an uns vorübergezogen ist, kann auf diese Weise ins Bild gesetzt und in aller Ruhe gesehen werden. Dies erleichtert, sich über die eigenen Erlebniswelten mitzuteilen und sich in das Erleben anderer einzufühlen.

Malen nach Musik

Das Malen zu Musik kann unendlich gewinnbringend sein, wenn der Lehrende sich mit seinen Schülerinnen und Schülern die Zielsetzung bewusst macht, was die gewählte Musik auslösen könnte und wohin das Malen zur Musik führen soll: Man kann gegenständlich malen und assoziativ, man kann rhythmisch malen oder versuchen den formalen Verlauf eines Musikstückes im Bild zu visualisieren. Man kann parallel zum Musikhören malen oder die Musik als zeitlich kurzen Impuls für eine längere Ausgestaltungsphase nehmen. Gespräche über das Malen sind immer auch Gespräche über die gehörte Musik: Im Austausch über eigene Erfahrungen und Gestaltungsabsichten schwingt die Musik immer mit. Und wer der Gefahr begegnen möchte, die intensiven Eindrücke zu zerreden und damit die hergestellten Bilder zu entwerten, der hält sich an den Philosophen Platon, der bereits wusste, „dass man die Dinge nicht durch Worte, sondern weit lieber durch sie selbst erforschen und kennenlernen muss.“ Dann stellt man die Schülerarbeiten aus, wandelt an dieser Galerie entlang, lässt die Musik klingend und die „sprechenden“ Bilder einfach schweigend auf sich wirken.

Musik, Kunst und Bewegung

Dies alles ist auf den Bereich Musik und Bewegung übertragbar: Bereits das Hervorbringen eines Bildes zur Musik ist von Körperlichkeit, von Bewegung geprägt. Musikalische Figuren und Strukturen können ungebremst und ohne kognitive Hemmnisse malend ins Bild gesetzt werden, vielleicht gar mit geschlossenen Augen. Auf der anderen Seite können auch Bilder durch Bewegung lebendig werden: Formen tanzen „aus dem Bild heraus“ und entwickeln auf der Bühne ihr Eigenleben. Der formale Aufbau des Bildes ist lediglich der Ausgangspunkt, von dem aus zur Darstellung einzelner Elemente und ihres Zusammenwirkens tänzerisch experimentiert und

Praxisbeispiele

Musik trifft Kunst – Komponieren zu einem Bild

Mit einer Kombination aus Rohrschach- und Wollfadentechnik gestalten die Kinder Bilder, die im Anschluss weiter gestaltet und schließlich mit Instrumenten, Klängen oder Geräuschen vertont werden können. Das Videotutorial „Musik trifft Kunst“ von Birgit Jeschonneck, David Zabel und Barbara Eltrop zeigt Ihnen alle Unterrichtsschritte!

Rosenwind: Ein Bild von Paul Klee Bild lädt zur musikalischen Betrachtung ein

Dem Bild „Rosenwind“ von Paul Klee nähern sich die Schülerinnen und Schüler mit der mitreißenden Musik „Colors of the Wind“ aus dem Disney-Film „Pocahontas“ Sie erfinden neue Blumen-Wetter-Wort-Kreationen und gestalten dann eigene Bilder. Im Zentrum des Bildes „Rosenwind“ (1922) von Paul Klee steht eine Rose, deren Stiel, Blätter und Stacheln in schwarz gehalten sind (siehe Folie 2 in diesem Heft). Lediglich der Blütenkopf erstrahlt in einem kräftigen Rot. Um die Pflanze herum sind schwarze Pfeile in verschiedenen Stärken zu sehen, die in unterschiedliche Richtungen zeigen. Die Pfeile sowie markante Pinselspuren im Hintergrund des Bildes symbolisieren die Kraft des Windes.

Bildbetrachtung über freies Bewegen zur Musik

Jedes Kind erhält ein rotes Tuch und sucht sich einen Platz im Raum. Es erklingt das Lied „Colors of the Wind“. Die Kinder bewegen sich mit den Tüchern frei zur Musik. Im Anschluss an die Bewegungseinheit wird ein Gespräch über Emotionen und Assoziationen in Verbindung mit der Musik geführt: Was habt ihr beim Hören der Musik gefühlt? Wo-ran habt ihr gedacht? Anschließend werden verschiedene Bilder von Paul Klee vor der Klasse ausgebreitet. Die Schülerinnen und Schüler erhalten den Auftrag, die gehörte Musik einem ihrer Meinung nach passenden Bild zuzuordnen. An dieser Stelle kann die Musik erneut abgespielt werden. Die Kinder vergleichen nun bewusst das Gehörte mit den vor ihnen liegenden Bildern. Sie schaffen Zusammenhänge zwischen ihren eigenen Gedanken und dem, was auf den Bildern zu sehen ist.

Bildbetrachtung und -besprechung

Die Lehrkraft erklärt, dass sie die Musik bewusst zu dem Bild „Rosenwind“ ausgewählt hat. Nun werden die Kinder gebeten, zu beschreiben, was auf dem Bild zu sehen ist. Viele von ihnen erkennen sofort die Blume im Zentrum, einige bemerken zudem die Stacheln und schließen auf eine Rose. Auch die Pfeile und vielen, bunten Farben werden angesprochen. Nach ausführlicher Beschäftigung mit dem Bild und der Besprechung möglicher Bedeutungen werden die Kinder angewiesen, dem Bild einen Titel zu geben. Es werden viele Ideen wie zum Beispiel „Farbenschön“ oder „Rosenrot“ geäußert. Schließlich wird herausgestellt, wie Paul Klee das Gemälde benannt hat und darüber beratschlagt, was ihn dazu bewegt haben könnte.


 

Zum Produkt: Kunst und Musik

Die beiden Künste Musik und bildende Kunst haben viele Berührungspunkte, die interessante Gestaltungsmöglichkeiten für den Unterricht der Grundschule bieten und das Hören und Sehen zu einer intensiven Erfahrung machen.


Kunst und Musik

Grundschule Musik Nr. 70/2014


 


Gestaltungsaufgabe Malen zu Musik

Die Schüler erhalten die Aufgabe, ein eigenes Bild mit dem Titel „Rosenwind“ zu gestalten. Hierfür sollte ihnen eine große Auswahl an Material zur Verfügung gestellt werden (Papier in DIN- A4- und DIN-A3-Format, Jaxon Kreiden, Buntstifte, Filzstifte, Wasserfarben, Zuckerkreide etc.), um der Entfaltung ihrer Kreativität genügend Raum zu geben. Während sie arbeiten, hören sie erneut die Musik, zu der sie sich zu Beginn der Unterrichtseinheit frei bewegt haben. Die kreative Gestaltungsaufgabe ermöglicht den Kindern, sich noch einmal intensiv mit dem Bild des Künstlers auseinanderzusetzen.

Eigenkompositionen im Musikunterricht

Im Musikunterricht wird eine Verklanglichung ausgewählter Bilder entwickelt. Es werden dazu alle Bilder gemeinsam mit der Klasse besprochen. In einem nächsten Schritt wählen die Kinder einige von ihnen aus, die anschließend in einem Unterrichtsgespräch detailliert betrachtet werden. Aufgabe der Schüler wird später sein, Analogien musikalischer Art zu bilden. Deshalb ist die gründliche Auseinandersetzung mit der Bildgrundlage vorab wichtig. Wie bei der Besprechung des Ölgemäldes zu Beginn der Einheit erfolgt zunächst eine Auffälligkeitssammlung. Die Kinder beschreiben alles, was sie auf dem Bild sehen. Im zweiten Schritt gilt es, zu sortieren, welche Aspekte des Bildes sofort ins Auge springen und welche erst nach genauerem Hinsehen wahrgenommen werden. Hier zeigt sich, aus welcher Perspektive die Kinder ein Bild betrachten. Schließlich sollte auch noch einmal in den Blick genommen werden, was ihnen an der Bildvorlage besonders gut gefällt. Die hier genannten Aspekte werden den Mädchen und Jungen auch bei der Verklanglichung besonders wichtig sein. Im Anschluss daran wird thematisiert, wie eine Musik zum vorliegenden Bild klingen kann. Dabei finden auch die zuvor genannten Aspekte Berücksichtigung. Die Schüler sollen lernen, das Bild als Bauplan ihrer musikalischen Arbeit zu verstehen. Aspekte, die sie bei der Bildbetrachtung bereits als wichtig empfunden haben, sollten schwerpunktmäßig verklanglicht werden. Im nächsten Schritt werden Gruppen gebildet. Die Kinder, die ein besonders starkes Interesse an einem Bild haben und möglicherweise schon Ideen entwickelt haben, wie man verschiedene Aspekte des Bildes in Musik transponieren kann, finden sich zu einer Gruppe zusammen. Gemeinsam legen sie fest, in welcher Reihenfolge und auf welche Art und Weise die ihnen wichtig erscheinenden Bildaspekte erklingen sollen. Die Lehrkraft sollte auf eine hohe Qualität der Verklanglichung achten und nicht den Fehler machen, die Schülerinnen und Schüler zu unterschätzen. Kinder haben ein gewisses Gespür dafür, wie etwas klingen muss, damit es echt wirkt. Deshalb sollte die Lehrkraft immer Begründungen für die Wahl von Instrumenten, Dynamik und Rhythmik einfordern.

 

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