PatenmodelleEine Patenschaft mit einer Solistin

Berühmt sei sie nicht, sagte Sharon Kam auf Nachfrage eines Schülers. „Angela Merkel ist berühmt und Helene Fischer. Ich werde sehr selten auf der Straße um ein Autogramm gebeten. Aber wenn man sich für KlarinettenMusik interessiert, kennt man mich schon.“ Nur ungern ließen die Schülerinnen und Schüler der Bläserklasse an der IGS Wunstorf die großartige Musikerin weiterziehen, aber sie hatte an dem Vormittag noch ein Treffen mit ihren neuen Patenkindern von der Grundschule!

Eine Patenschaft zwischen Streicherklasse und Sharon Kam

Die Klarinettistin Sharon Kam begleitet als Orchesterpatin die Streicherklasse an der Grundschule Albert-Schweitzer-Schule in Wunstorf. © Albrecht Drude

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Die Albert-Schweitzer-Schule in Wunstorf ist eine ganz normale Grundschule – eher eine Brennpunktschule, als eine Eliteschule. Sie arbeitet seit über 20 Jahren mit der örtlichen Musikschule zusammen, und seit 12 ½ Jahren gibt es das gemeinsame Angebot „Streicherklasse“. Darin lernen 20 bis 30 Schülerinnen und Schüler eines Jahrgangs die klassischen Streichinstrumente, also Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass. Zurzeit gibt es die Streicherklasse „Albertinis“ wieder im ersten Jahrgang. Neu ist allerdings, dass eine Weltspitzenmusikerin die Patenschaft für die „kleinen Streicher“ übernommen hat.

Die Orchesterpatin Sharon Kam besucht die Streicherklasse der Grundschule in Wunstorf

Sharon Kam hatte sich in einem Zeitungsinterview dafür ausgesprochen, dass Musiker mehr gesellschaftliche Verantwortung übernehmen sollen. Deshalb ließ sie sich gern auf das Experiment einer vierjährigen Zusammenarbeit mit den Albertinis ein. Ihr erster Besuch war am 12. Februar. Die Kinder waren aufgeregt und stolz, als sie gleich zu Beginn eins ihrer Lieder vorspielen durften und großes Lob von der Künstlerin bekamen. Dann spielte Kam den Anfang von Webers 2. Klarinettenkonzert. Hier zeigt die Klarinette was sie kann: hoch und tief und kräftig. Mieke (6 Jahre) hielt sich die Ohren zu: „Das ist mir zu laut“. Dann zeigte Kam, wie leise eine Klarinette spielen kann. Die Kinder sollten die Augen schließen, und den Arm heben, wenn sie die Klarinette hören konnten. Und tatsächlich war es, wie beim Hörtest: Der Ton kam aus dem nichts. Dann wurde gemeinsam musiziert. Die Kinder strichen das Lied „Summ, summ, summ“ auf einem Ton, Kam spielte dazu die Melodie – wie in einem richtigen Klarinettenkonzert: Das Orchester begleitet die Solistin. Jetzt wollten die Kinder natürlich dabei sein, wenn ihre neue Freundin mit einem Profi-Orchester arbeitet.

Die Streicherklasse besucht das Hannoversche Opernorchester

Und so kam es dann am 15. März 2019: Kam hatte organisiert, dass die Kinder bei  einer Hauptprobe mit dem Hannoverschen Opernorchester zuhören durften. In der ersten großen Pause ging es los – mit Bus und Bahn in die Landeshauptstadt. Die Kinder wurden von der Musiktheater-Pädagogin der Staatsoper empfangen. Nach einer kurzen Einführung ging es gleich in den Saal. Sharon Kam spielte wieder das 2. Klarinettenkonzert von Carl Maria von Weber. Am Dirigentenpult stand ihr Mann Gregor Bühl. Für die erwachsenen Begleiter war es wunderbar, die beiden Künstler im Zusammenspiel mit dem großartigen Orchester zu erleben. Den ersten Kindern wurde dagegen schon nach 15 Minuten langweilig. Die Musiktheater-Pädagogin hatte aber noch eine Nachbereitung und ein paar tolle Spiele in petto, so dass die Langeweile schnell vergessen war.

Kooperation mit der Musikschule Wunstorf

Seither geht der Streicherklassenunterricht bei den Albertinis seinen gewohnten Gang: Die Kinder singen Lieder, lernen ihre Strichtechnik zu verbessern und das Greifen mit der linken Hand vorzubereiten. Sie treffen sich zweimal in der Woche und haben den verbleibenden Unterricht in ihrer jeweiligen Klasse, wo sie eine weitere Stunde Musik erhalten. Ihre Instrumente bekommen sie von der Musikschule gestellt. Zum Üben (mehrmals in der Woche) müssen die Kinder ihr Geigen, Bratschen und Celli natürlich mit nach Hause nehmen. Nur die beiden Kontrabassistinnen haben jede ein zweites Instrument. Die Streichereltern zahlen Unterrichtsgebühren an die Musikschule, allerdings deutlich weniger, als für den Instrumentalunterricht am Nachmittag. Denn die Zusammenarbeit von Musikschule und Grundschule wird mit Landesmitteln unterstützt.

Zum Leitungsteam der Streicherklasse gehören die Konrektorin der Grundschule, die selbst auch Musiklehrerin ist, sowie ein Geigenlehrer und eine Cellolehrerin, die beide Streicherklassenunterricht nach der Rolland-Methode gelernt haben. Einmal im Monat geht auch der Kontrabasslehrer der Musikschule mit in den Unterricht. Die Erstklässler erlernen die Instrumente grundsätzlich gemeinsam. Ab dem zweiten Jahr kommt gelegentlich Kleingruppenunterricht hinzu.

 

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