Aktives Musikhören in der GrundschuleWie man Musikhören in der Schule erfolgreich gestalten kann: Kinder aktivieren

Es ist völlig normal, wenn fremdartige Musik bei einigen auf Abwehr stößt. Die Reaktionen von Kindern auf neuartige Musik schwanken zwischen Interesse, Befangenheit oder auch offener Ablehnung. Beim handlungsorientierten Musikhören machen Grundschüler die Erfahrung, dass sich vieles erst nach intensiver Beschäftigung mit der Musik erschließt – durch gezielte Höraufträge und Detailuntersuchungen z.B. beim Malen und Bewegen.

 

Aktives Musikhören in der Grundschule

Aktives Musikhören in der Grundschule © highwaystarz/ fotolia.com

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Untersuchungen zeigen, das über Jahre gleichbleibend zwei Drittel der Deutschen keine „klassische Musik“ mögen – obwohl (oder etwa: weil) der Musikunterricht der Vergangenheit in deren Propagierung eine seiner Aufgaben sah: „In der Praxis erreicht diese Dominanz musikhistorischer und musiktheoretischer Themen in den meisten Fällen das Gegenteil dessen, was beabsichtigt ist: Aversionen gegen eine Musik, die das wirklich nicht verdient hat.“ (Lugert, 1996, S. 171) Von denen, die Klassik mögen, sagen knapp zwei Drittel, dass der Beitrag des Musikunterrichts zur Ausprägung ihrer „Klassikliebe“ vernachlässigt werden kann. Das Problem besteht nicht darin, dass die Menschen mehrheitlich Klassik nicht mögen – das ist schließlich eine ganz persönliche Sache. Das Problem ist vielmehr, dass der Musikunterricht insgesamt – zumindest der Vergangenheit – viel zu wenig Wirkung im „wirklichen“ Leben zeigt.

 

Kinder aktivieren

Mittlerweile haben die Methoden, wie Musiklehrkräfte ihre Schülerschaft mit ihnen zumeist (noch) fremder Musik bekannt machen, sich gewandelt: In der Regel sitzen die Kinder nicht mehr in starrer Haltung in ihren Bänken und versuchen in der Musik zu hören, was ihnen vorher erklärt wurde, dass sie es in ihr hören müssten. Musikhören geschieht auf vielfältige Art und Weise, die die Kinder aktiviert und ihre persönliche Auseinandersetzung mit der Musik initiiert. Gerade in der Grundschule funktioniert dies besonders gut, da die Kinder noch „offenohrig“ sind, sich noch nicht auf bestimmte Musik festgelegt haben.

 

Methoden für aktives Musikhören

Die Methoden des aktiven Musikhörens lassen sich nach den übrigen Umgangsweisen mit Musik ordnen, die sie nutzen:

 

  • Rezeption in Verbindung mit Produktion: Parakomposition, vorwegmusizieren, spontan begleiten, Begleitung erfinden und mitvollziehen
  • Rezeption in Verbindung mit Reproduktion: mitsingen der Melodie, singen einer zweiten Stimme, Mitspielsatz in grafischer und traditioneller Notation, angeleitetes mitmusizieren ohne Notation
  • Rezeption in Verbindung mit Bewegung: Grundbewegungen mitvollziehen, differenzierte Bewegungen erfinden, vorgegebene Choreografie ausführen
  • Rezeption in Verbindung mit Sprache: Überschriften zuordnen, Überschriften erfinden, Programmatik entwickeln, Gedicht oder Geschichte schreiben
  • Rezeption in Verbindung mit bildkünstlerischen Darstellungen: assoziatives und grafisches Malen, verbinden von Musik und Farbe, künstlerische Darstellungen zuordnen
  • Rezeption in Verbindung mit Szene: Szene entwickeln, Filmsequenzen zuordnen
  • Rezeption in Verbindung mit Reflexion: Karten mit Begriffen oder Ikons ordnen, Adjektive zuordnen, Strukturen, Entwicklungen und Parameter beschreiben, Partitur mitlesen, Musik notieren, Hintergründe recherchieren, in Stilepochen einordnen

 

Ziele des Musikhörens

Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler die so stattfindende tiefere Auseinandersetzung mit Musik bereichernd, als Genuss und Erkenntnis bringend ansehen, aktuell und auch später mit Blick auf einen „Nutzen“ über die Schulzeit hinaus.

Eine Aufgabe des Musikunterrichtes ist es, Kultur – und damit auch traditionelles Musikgut – an nachfolgende Generationen weiterzugeben und lebendig zu erhalten. Das funktioniert nur mit interessierten Hörerinnen und Hörern, die diese Musik vergangener Zeiten rezipieren und ihr im Hier und Jetzt etwas abgewinnen können. Zum Einsatz für das aktive Musikhören kommt jedoch keineswegs nur klassische abendländische Musik, sondern Musik aus allen Zeiten, Genres, Kulturen.

Offenheit, Toleranz und Akzeptanz des zunächst Fremden scheinen aktuell bedeutsamer denn je. Aktives Musikhören ermöglicht unvoreingenommene Annäherung an das Unbekannte, handelnde Auseinandersetzung und gedankliches und emotionales Eindringen. Schülerinnen und Schüler machen sich so das Fremde vertraut, eignen es sich an und ordnen es als weiteren Baustein in ihre vielfältige Welt ein. Bestenfalls lehnen sie später ihnen begegnende fremde Musik nicht ab, sondern sind neugierig und versuchen zu verstehen: Mit dem Kopf, mit dem Körper, mit dem Herzen.

 

Literatur

Lugert, Wulf Dieter (1996): „Klassische“ Musik – ein didaktisches Problem? In: Schütz, Volker (Hrsg.): Musikunterricht heute. Beiträge zur Praxis und Theorie. Oldershausen: Institut für Didaktik populärer Musik. S. 171-184

 

 

Artikel in Grundschule Musik mit Beispielen zum aktiven Musikhören

 

Grundschule Musik Nr. 88 (2018):

Der Nussknacker - Eine musikalische Reise ins Reich der Zuckerfee

Winternacht - Ein Stück zum Innehalten mit vielen Möglichkeiten im Musikunterricht

 

Grundschule Musik Nr. 87 (2018)
Das Menuett aus Händels 2. Wassermusik-Suite - Einstieg in das erste aktive Musikhören

 

Grundschule Musik Nr. 86 (2018)
Fliegen, fahren, schwimmen: Musik über Assoziationen erschließen


Grundschule Musik Nr. 85 (2018)
Den Narhallamarsch tanzen und musizieren

 

Kostenlose Leseprobe

Donnerwetter aus 300 Jahren (Angebote zum bewussten Hören) aus Grundschule Musik Nr. 59

 

Mehr zum Thema

Musik aktiv hören. In: Workshops kompakt (S.  22-35)

Aktives Musikhören. Praxisbuch zur Rezeptionsdidaktik im Musikunterricht 

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