Das bekannteste Weihnachtslied der WeltDie Sehnsucht nach Frieden und stillen Nächten – 200 Jahre „Stille Nacht“

200 Jahre gibt es das Weihnachtslied „Stille Nacht“ nun schon. Laut einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Civey aus dem Jahr 2017 hören es 39 Prozent der Befragten immer wieder gern. Die „Geschichte des Liedes“ finden Sie oft in Büchern oder auf Internetseiten, doch wie erklären Sie Ihren Grundschülerinnen und -schülern ein Lied, das mittlerweile in nahezu 350 Sprachen weltweit übersetzt wurde?

|

Seit Wochen singen sie (nicht nur) in der Schule traumhafte Weihnachtslieder und in die Beine gehende weihnachtliche Popsongs, backen Plätzchen und basteln Geschenke. Die Erwartung ist hoch, die Wangen rot, die Nervosität zum Zerreißen: „Ob ich wohl das heißersehnte Computerspiel bekomme?“ Tim weiß, wenn das Lied „Stille Nacht“ aus dem Wohnzimmer erklingt, dann darf er gleich unter dem Weihnachtsbaum nachsehen. Es ist Heiliger Abend.

Tim konnte das Lied sogar mitsingen, denn sie hatten es vorher geübt, obwohl er ja lieber „Rudolph the red nosed raindeer“ oder „Jingle Bells“ trällerte. Aber seine Musiklehrerin meinte, dass dieses Lied der Klassiker unter den Weihnachtsliedern ist und schon von seinen Ur-ur-ur-ur-ur-Großeltern gesungen wurden, als diese noch ein Kind waren. Das machte Tim neugierig …

Geschichte ist relativ

„Damals“, so begann die Lehrerin, „vor zweihundert Jahren, gab es noch keine Computer. Ja es gab noch nicht einmal Waschmaschinen, elektrisches Licht oder gar Autos. Sogar das Fahrrad war noch nicht erfunden und erst Jahre später wurde das Weihnachtsfest langsam ein Familienfest, manchmal sogar mit einem Weihnachtsbaum im eigenen Haus. Viele Kinder in eurem Alter mussten wie Erwachsene arbeiten gehen, aber „nur“ bis zu zehn Stunden am Tag, denn Schulen, wie ihr sie heute kennt, gab es damals auch noch nicht. – Aber es gab ein paar Menschen, ohne die ihr alle heute gar nicht hier wäret: eure Ur-ur-ur-ur-ur-Großeltern! Fragt doch mal zu Hause nach, ob eure Eltern noch wissen, wie sie hießen …“

Nachdem die Kinder das Lied gelernt und mit Glockenspielen, Triangeln und Schellenkränzen begleitet hatten, fragte Anna: „Wer hat das Lied denn geschrieben? Wie haben die Menschen damals gelebt und was ist denn sonst noch so vor 200 Jahren passiert?“

Gerechtigkeit, Frieden und Stille

„Damals“, so begann die Lehrerin erneut, „hatte es gerade eine Revolution gegeben. Das heißt, dass die Menschen sich zum Beispiel gegen Ungerechtigkeiten aufgelehnt haben und weil sie schlechter behandelt wurden als die, die reich waren und viel Macht hatten. Vielen Menschen fehlte das Geld, obwohl sie Tag und Nacht arbeiteten, um sich genug zu essen kaufen zu können. Das meiste mussten sie an die Herrscher und hohen Herren abgeben. Und die haben immer mehr Geld für große Feste und viel Luxus ausgegeben und wollten von den Menschen immer mehr haben. Irgendwann hatten sie genug und kämpften für ihre Freiheit, für Brüderlichkeit und für Gleichheit. Mit Erfolg. – Danach war es aber noch nicht zu Ende, denn nun musste ja ganz Europa neu geordnet werden. Es wurden neue Gesetze geschrieben, die Menschen bekamen mehr Rechte und es wurde auch dafür gesorgt, dass alte Menschen und Kranke versorgt waren. – Unruhig, unsicher und spannend war es in diesen Zeiten noch fast fünfzig Jahre lang.

Ihr könnt euch vorstellen, dass die Menschen, die damals gelebt haben, sich irgendwann nur noch Frieden und Stille wünschten, weil sie die Nase von all den Veränderungen voll hatten, so schön sie auch waren.

Kurz vor Schluss ein Musenkuss

So war das damals auch in Oberndorf bei Salzburg. Es war der 24. Dezember 1818 und alle bereiteten sich schon auf den Besuch in der neu gebauten St. Nicola-Kirche vor. Josef Mohr war damals gerade 26 Jahre alt und sollte die Weihnachtsmesse halten. Da fiel ihm ein Text in die Hand, den er schon zwei Jahre vorher geschrieben hatte. Er passt genau in diese unruhigen Zeiten und handelte von einer stillen und friedlichen Nacht, einer Nacht, in der einst Jesus geboren wurde und die auch heute so wunderbar passte.

Kurzerhand gab er ihn dem Organisten Franz Gruber mit der Bitte, eine kleine Melodie für die Messe zu schreiben. Vielleicht hat ja die Orgel noch nicht funktioniert und die beiden suchten nach einer schönen Möglichkeit, den Menschen mit einem neuen Lied eine Freude zu machen? – Nun ja, auf jeden Fall schrieb Franz Gruber eine Melodie für zwei Solostimmen plus Chor und Gitarrenbegleitung. Er selbst sang die Bassstimme und Josef Mohr die Tenorstimme.

Ihr könnte euch vorstellen, wie gut das Lied damals ankam. Die Leute fühlten sich geborgen und verstanden und waren restlos begeistert von diesem wunderschönen Lied!

Ein paar Jahre später begann es, um die Welt zu wandern. Es wurde in fast 350 Sprachen übersetzt und wird überall zu Weihnachten gesungen.

Mehr zum Thema:

Alle sechs Strophen des Liedes finden Sie hier: http://www.stillenacht.at/de/text_und_musik.asp

„Stille Nacht, Heilige Nacht“ – Die bewegte Geschichte des ewigen Weihnachtsliedes, Martin Korden für Deutschlandfunk Kultur: https://www.deutschlandfunkkultur.de/stille-nacht-heilige-nacht-die-bewegte-geschichte-des.1124.de.html?dram:article_id=406738

Das Lied in einigen anderen Sprachen: http://www.visit-salzburg.net/deutsch/reise-info/stille-nacht-text.htm

Zur Unterrichtseinheit zu „Stille Nacht, heilige Nacht“

30 % Rabatt für Referendare – und weitere Vorteile
Das rechnet sich!

30 % Rabatt für Referendare – und weitere Vorteile

Als Studierende oder Referendare erhalten Sie 30 % Rabatt auf das Jahres-Abo der Zeitschriften. Zusätzlich erhalten Sie dann als Abonnent weitere Preisermäßigungen für viele Produkte des Verlags.

Mehr erfahren

Fachnewsletter Grundschule Musik

Exklusive Goodies  Unterrichtskonzepte
Neues vom Fach  Jederzeit kostenlos kündbar