Musiktheater in der GrundschuleIm Zauberwald – märchenhaftes Musiktheater für die Grundschule

Ein Waldspaziergang mit der Klasse? Na klar! Aber was, wenn dieser Ausflug bis tief in die Nacht dauert? Wenn allerhand Unglaubliches passiert? Wenn die Kinder dieses Abenteuer selbst gestalten? Und ist es denkbar, das alles auf die Bühne im Musiktheater der Grundschule zu bringen? Lesen Sie in Szene 1 hinein.

Musiktheater Grundschule

Winterzeit ist Märchenzeit – Raum für märchenhafte Inszenierungen und Improvisation Illustration: Hendrik Kranenberg

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Das Bühnenstück „Im Zauberwald“ ist das Ergebnis kooperativer Arbeit im Musikunterricht mit Grundschulklassen. Es besteht aus Sprechtexten, vier Liedern mit Begleitung und aus Improvisationen. Wir präsentieren hier den ersten Bühnenbaustein (Lieder und Szene 1), das sich als kürzere Aufführung eignet. Das gesamte Stück „Im Zauberwald“ kann mit einer oder mehreren Klassen einstudiert und aufgeführt werden und eignet sich auch als Einstiegsprojekt für das Musiktheater in der Grundschule.

Einstieg in das Bühnenstück

Zu Beginn erzählt die Lehrperson die Handlung (s. u.) spannungsreich und integriert dabei die Lieder. Diese führen als roter Faden durch das Stück. Die tragende Struktur ist die Wiederholung: Kinder pirschen durch den Wald – verzauberte Wesen sind in einer Situation gefangen – die Kinder erlösen die verzauberten Wesen. Dieses Szenario vollzieht sich insgesamt dreimal. Wenn die Bewegungselemente „Dreiköpfiges Wesen“, „Roboter“ und „Gläserner Kasten“ jeweils mit der gesamten Klasse erprobt werden, bekommen die Kinder ein Gespür für das Gemeinsame und entwickeln ein Gefühl der Vertrautheit mit den verschiedenen Aktionen und Szenen.

Im Zauberwald“ – Die Handlung 

Die Klasse 3b unternimmt einen Schulausflug und sitzt eines Abends am Waldrand am Lagerfeuer. Die Lehrerin, Frau Waldmeister (oder der Lehrer, Herr Waldmeister), und zwei Kinder, Lena und Jan, fehlen. Sie haben sich während des Waldspaziergangs verlaufen. Plötzlich springt ein Zauberer zu den Kindern am Lagerfeuer und verzaubert sie. Daraufhin werden die Kinder in kleinen Gruppen in den Wald gesogen und dort verwandelt.
Nun tauchen Lena und Jan wieder am Lagerfeuer auf und finden es verlassen vor. Sie begeben sich auf die Suche nach den verzauberten Kindern, pirschen durch den Wald, treffen auf ihre Klassenkameraden und erlösen sie. Die jeweils befreiten Kinder gehen nun mit durch den Wald und helfen bei der Erlösung der jeweils nächsten Gruppe. Zum Schluss sind alle wieder vereint. Kurz vor Ende erscheint noch einmal der Zauberer. Er wird überlistet und verwandelt sich – in die Lehrerin Frau Waldmeister. Diese war in den Zauberer verwünscht worden, als sie beim Waldspaziergang von unbekannten Zauberbeeren genascht hatte. 

Musiktheater in der Grundschule proben

Nach dem gemeinsamen Ausprobieren aller Bewegungselemente entscheiden die Kinder, in welcher Gruppe sie mitwirken möchten. Die jeweiligen Gruppen dürfen dabei durchaus in ungleicher Stärke besetzt sein. Was die Kinder in den Gruppen erarbeiten und erproben, wird im Plenum als Zwischenergebnis präsentiert und reflektiert. Dadurch können sich Einzelheiten der Szenen verändern. Es ist ausdrücklich erwünscht, dass die Kinder sich aktiv in die Gestaltung einbringen und der Zauberwald „ihre“ Färbung bekommt. Nach jeder Rückmeldung widmen sich die Gruppen der Überarbeitung ihres Beitrags: Welche gestalterischen Phänomene sind noch nicht deutlich genug erkennbar? Es geht darum, klare Positionen im Raum zu finden und eine deutlich veränderte Haltung der verzauberten Wesen erkennbar werden zu lassen. Die Phasen „Gruppenarbeit“ und „Plenum / Zwischenergebnisse“ werden mehrfach durchgeführt. 
Für den Gesamtablauf des Stücks gilt es, Rollen mit Sprechtexten (siehe S. 4) zu verteilen und zu vereinbaren, welche Instrumente zum Einsatz kommen.
Es ist denkbar, dass die Kinder in der Erprobungsphase Ideen für weitere Bausteine mit Bewegung und szenischen Elementen entwickeln. Diese können nach Belieben in den Handlungsablauf integriert werden.

Szene 1: "Im Zauberwald"

Szene 1: Es wird dunkel in der Nacht 
Die Klasse sitzt im Kreis um ein Lagerfeuer
KIND 1: Wo sind nur Lena und Jan?
KIND 2: Vielleicht haben sie sich verlaufen?
KIND 3: Jedenfalls sind sie nicht hier angekommen.
KIND 1: Genau wie unsere Lehrerin. Die Frau Waldmeister fehlt auch!  
KIND 2: Und jetzt wird es auch noch dunkel!

Lied  „Es wird dunkel“
Ein Zauberer springt in die Mitte. Die Kinder erstarren. 

ZAUBERER: Ha! Ihr wagt es, meinen Wald zu betreten und dann noch zu singen? Seid für immer zwischen den Bäumen verzaubert! Dort, wo euch niemand findet, werdet ihr für ewig bleiben! 

Die Kinder erheben sich schweigend nacheinander und gehen in den Wald an ihre späteren Schauplätze.
Lena und Jan kommen auf die Bühne und stehen allein am Lagerfeuer. 

LENA: Jan, du behauptest, diese komischen Beeren seien giftig? (Zeigt große Beeren vor und steckt sie zurück in die Hosentasche.)
JAN: Nein, Lena, das habe ich nicht gesagt. Ich meine nur, wir sollten nichts essen, das wir nicht kennen!
LENA: Na, dann dürfte ich zu Hause aber nichts essen, was meine Mutter kocht! 
JAN: Schade, dass Frau Waldmeister nicht da ist, sie könnte uns bestimmt sagen, von welcher Pflanze sie stammen.
LENA: Wo ist sie eigentlich geblieben? 
JAN: Keine Ahnung. Vorhin war sie noch bei uns. (lachend): Wahrscheinlich hat sie sich verlaufen!
LENA: Hey! Stopp mal! Wo sind unsere Klassenkameraden? Niemand da?!
JAN: Wir hätten wohl doch pünktlich kommen sollen. Jetzt sind sie weg.
LENA: Hallo! Wo seid ihr!? (Keine Antwort) Wir müssen sie suchen!


 

Im Zauberwald

Dieser Blogbeitrag ist ein Bühnenbaustein aus unserem Grundschule Musik extra. Im Heft finden Sie die weiteren Bausteine für Ihr Musiktheater in der Grundschule:


Im Zauberwald

Grundschule Musik extra: Auftritt! Nr. 4/19

 


Das Lied "Es wird Dunkel in der Nacht"

Abends am Lagerfeuer, die Dunkelheit bricht herein. Mit Schrecken bemerken die Kinder, dass zwei von ihnen und die Lehrerin, Frau Waldmeister, fehlen. Während die Runde am Feuer sich mit einem Lied Mut macht, springt plötzlich ein Zauberer in ihre Mitte und verwünscht sie.

Einüben des Liedes 

Dieses kurze Lied beschreibt die Stimmung im nächtlichen Wald und sorgt für eine geheimnisvolle Atmo–sphäre. Zu den Takten drei und vier gibt es eine zweite Stimme, die gesungen oder instrumental ausgeführt werden kann. Indem die Kinder in Viertelnoten die Hände reiben, vollziehen sie den Grundschlag mit und üben bereits eine Stimme der rhythmischen Begleitung. Zum Händereiben wird der Text zunächst rhythmisch vor- und nachgesprochen. Präzision ist insbesondere bei den Synkopen in Takt 1 und 3 gefragt. Sind Rhythmus und Text auf diese Weise gesichert, wird die Melodie auf Text in zwei- oder viertaktigen Abschnitten eingeübt.

Begleitvorschläge

Die Begleitung untermalt die zauberhafte Atmosphäre des Liedes. Zunächst werden die Begleitstimmen separat geübt und dann zum mehrstimmigen Satz zusammengefügt. Das Glockenspiel übernimmt solistisch das Vorspiel und stellt damit die Melodie vor. Im Lied kann es dann die zweite Stimme übernehmen. 
Stabspiele und Holzblocktrommel spielen denselben Rhythmus in Vierteln mit einer Pause am Ende jedes Takts. In dieser Pause blitzt ein Triangelklang auf. Alternativ spielen die Instrumentalisten einen durchgehenden Grundschlag. Nicht benötigte Stäbe können aus den Stabspielen vorsichtig entfernt werden. Die Bassstimme wird auf dem tiefsten vorhandenen Stabspiel gespielt und kann ggf. aufs Klavier übertragen oder für ein Cello oder einen Kontrabass angepasst werden.
Das Lied endet mit einem kräftigen Schlag auf ein Becken, mit dem sich der Zauberer ankündigt.

Erarbeitung des Sprechteils

  • Zwischen den beiden Strophen des Liedes erklingt ein Sprechtext, der die Stimmung unterstreicht: geheimnisvoll, und dennoch Mut machend. 
  • Der Text wird ohne Instrumentalbegleitung gesprochen. Die Zeilen können auf die Kinder aufgeteilt oder auch chorisch gestaltet werden. Das Sprechen erfolgt exakt in Achtelnoten, wobei das Grundtempo der gesungenen Strophe erhalten bleibt.
  • Entscheidend für die Hör-Verständlichkeit ist eine deutliche Artikula­tion. Neben entsprechenden Lockerungsübungen für Zunge und Kiefer sowie Sprechübungen für Konsonanten und Vokale kann die Vorstellung eines überdeutlichen Aussprechens unterstützend wirken.
  • Das Tempo des Sprechteils orientiert sich an einer sicheren Ausführung.
  • Alternativ zum rhythmischen Sprechen ist es auch möglich, diesen Teil im Tempo frei zu gestalten.
  • Lautstärkeänderungen und das Spiel mit Stimmfärbungen verstärken das Zauberhafte und Geheimnisvolle der Szene. In diesem Fall sollte am Ende das Glockenspiel mit seinem Vorspiel erneut einsetzen, um in die zweite Strophe überzuleiten. 
  • Selbst gebaute Effektinstrumente wie Joghurtbecher-Shaker, Kronkorken-Rasseln etc. kommen zum Einsatz, um einen zauberhaften Klangteppich zu gestalten.
  • Auch eine Beteiligung des Publikums ist möglich: Die Instrumente können im Publikum verteilt werden. Den Einsatz steuert in diesem Fall die Lehrkraft.

Die Aufführung 

Für die Präsentation auf der Bühne sind nur wenige Requisiten oder Kulissen notwendig. Im Mittelpunkt steht das Gestalten, Spielen und Musizieren der Kinder. Eventuelle Umbauten zwischen den Szenen geschehen vor den Augen des Publikums. Die Verzauberten tragen farbige T-Shirts und darüber dunkle, die sie nach ihrer Erlösung einfach ausziehen. Der Zauberer hat einen Umhang um und einen großen Hut auf und lässt diese Kleidungsstücke schnell fallen, wenn die Verwandung zurück zur Lehrerin erfolgt. Im Musik- oder Klassenraum wird an einer Wand oder in der Mitte des Raumes gespielt. Die Grenzen der Aktionsfläche werden mit Kreppband abgeklebt. In der Aula sowie im Musikraum werden die Stationen vor den Augen des Publikums aufgebaut. Diese Transparenz gibt einen Einblick in den geleisteten Arbeitsprozess und macht die Spiel-Kompetenzen der Kinder sichtbar. 

Die Kinder sitzen am Lagerfeuer im Halbkreis um die Holzscheite. Sie lösen sich nach der Verzauberung durch den Zauberer (der Zauberspruch wird während der Proben von den Kindern selbst erdacht) schweigend eines nach dem anderen aus dem Kreis und gehen tiefer „in den Wald“ (an ihre Spiel-Plätze). Dabei sind sie wie in Trance: Blick geradeaus, Gesichtsmimik unbewegt, Arme seitlich hängend. Sie stehen langsam auf, machen eine 180-Grad-Drehung und entfernen sich langsam. Wichtig ist, dass auf keinen Fall gesprochen wird. Dazu wird das Lied musiziert, bis sich niemand mehr am Feuer befindet. 
Der Ablauf des Liedes ist:  Vorspiel – Strophe 1 – Sprechtext – Strophe 2. Das Lied kann auch um weitere, selbst erfundene Sprechteile oder Strophen ergänzt  werden. Für die Gestaltung eigener Sprechteile kombinieren die Kinder Substantive und Verben zum Themenbereich „Wald und Nacht“ und fügen diese zu einem neuen Text zusammen. 

Aufführung des Liedes ohne Bühnenstück

Wird das Lied allein und damit herausgelöst aus dem Kontext des gesamten Stückes aufgeführt, ist es nach dem Beckenschlag beendet. Dieser Baustein endet dann offen in der Verzauberung. Alternativ können der Zauberer oder auch Lena und Jan eine besondere Ankündigung mit Blick auf eine andere Fortsetzung des Programms machen.

Download des Liedes "Es wird dunkel in der Nacht"

 


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